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Causa Julija Cvetkova: Viva la Vulva gegen die Allianz von Staat und Kirche

Posted on 2. November 2023 by Amanda Beser und Philine Bickhardt
Die russische Aktivistin und Theaterregisseurin Julija Cvetkova ist nach drei Jahren Hausarrest, Gerichtsprozessen und Bedrohungen Ende November 2022 freigekommen. Als Aktivistin für LGBT-Rechte ist sie kein Einzelfall.

Die russische Aktivistin und Theaterregisseurin Julija Cvetkova ist nach drei Jahren Hausarrest, Gerichtsprozessen und Bedrohungen Ende November 2022 freigekommen. Als Aktivistin für LGBT-Rechte ist sie kein Einzelfall. Queere Menschen werden als „störende Verwestlichung“ diffamiert, das macht sie besonders während des Russisch-Ukrainischen Krieges zur öffentlichen Zielscheibe und zur Exemplifizierung des Feindes im Inneren.

novinki stellt Cvetkovas vielseitiges Schaffen vor.

 

Der Fall Julija Cvetkova , eine russische Künstlerin, Aktivistin und Jugendtheater-Regisseurin, sorgte die letzten drei-vier Jahre für internationale Empörung und Anteilnahme. Für das Erstellen und Veröffentlichen queer-feministischer Zeichnungen u.a. in sozialen Medien drohten der jungen Aktivistin aus Chabarowsk bis zu sechs Jahre Haft. Ende November 2022 kam Bewegung in das Verfahren und mit ihr die Erleichterung: Freispruch. Eine zynische Geste, denn am Tag des Freispruchs lagen Hausarrest und Strafverfahren am 22. November 2019 genau drei Jahre zurück. Ihr Fall steht beispielhaft für die rechtsnational-konservative und autoritäre Innenpolitik Russlands, wie sie sich schon vor Beginn des russischen flächendeckenden Angriffskriegs auf die Ukraine im Februar 2022 zu erkennen gab.

Als Julija Cvetkova im November 2019 in ihrer Heimatstadt Komsomolsk am Amur, im Osten Russlands, von der Polizei festgenommen und verhört wurde, sollten für sie Hausarrest, mehrere Gerichtsprozesse, Schikanen und ein Hungerstreik folgen. Auch Schikanen in Form einer verordneten psychiatrischen Untersuchung im Februar 2020 erlebte die queere Feministin aus Chabarowsk. Der im Hauptprozess erhobene Vorwurf lautete: „Herstellung und Verbreitung von pornographischem Material“ nach Paragraf 242 (3b) des russischen Strafgesetzbuchs. Die Nebenanklagen bezogen sich auf den Vorwurf der Propaganda „nicht-traditioneller Beziehungen“. Nach dreijähriger Prozessdauer schließlich bestätigte Ende November 2022 das Landgericht Chabarowsk in einer Berufungsverhandlung den im Juli 2022 in erster Instanz durchgebrachten Freispruch – und das trotz vielfacher Bemühungen der Staatsanwaltschaft, die das Verfahren immer wieder zu verlängern versucht hatte. Neben dem Hauptverfahren wurde sie allerdings im Rahmen dreier weiterer Anklagen mit Geldstrafen belegt. Im Falle einer Verurteilung in allen Verfahren hätten Cvetkova schlimmstenfalls bis zu sechs Jahren Straflager-Haft gedroht.

Queere Menschen als „westlicher“ Feind im Inneren

Menschen mit diversen sexuellen Orientierungen werden infolge der Verabschiedung eines neuen Gesetzes zum Verbot von Geschlechtsangleichung vom 13. Juli 2023 endgültig kriminalisiert: Schon zuvor war queeren Menschen schlichtweg die Existenz untersagt, queere Beziehungen durften nicht mehr gelebt werden, transsexuelle Menschen mussten sich verstecken. Selbst jedwedes Sprechen über Homosexualität oder Transgeschlechtlichkeit galt bereits als „westliche“ und somit feindliche Propaganda – und wurde im Dezember 2022 (ein Monat nach Cvetkovas Entlassung) in einer Gesetzesänderung mit Pädophilie gleichgesetzt. Doch nun sind auch Operationen und Hormonbehandlungen, die nötig sind, um das Geschlecht anzugleichen, gesetzlich verboten. Trans und Inter darf es dem Kreml' zufolge nicht geben.

All diese rechtlichen Verschärfungen gehen auf das 2013 in Kraft getretene „Gesetz zum Verbot der Propagierung nichttraditioneller sexueller Beziehungen“ zurück, das bis Dezember 2022 bloß für Minderjährige galt. Die Altersangabe 18+, derer sich NGOs und Medien u.a. zur Legitimierung gegenüber dem Gesetz über die „Propaganda für Beziehungen unter Minderjährigen“ in Russland bedienten, konnte Cvetkova allerdings schon damals vor Gericht nicht vor der Willkür des Staates schützen.

Die Allianz von Kirche und Staat hat nicht nur den Weg zu einer breiten Akzeptanz von Putins Krieg gegen die Ukraine geebnet. Durch ihren Einfluss hat sie u.a. die politisch-motivierte Homophobie gesellschaftsfähig gemacht. Nach dem Religionssoziologen Detlef Pollack ist die Zahl derer, die sich mit der Orthodoxie identifizieren, von 1990 bis 2020 von einem Drittel auf mehr als zwei Drittel gestiegen; die Zahl der Gläubigen stieg von 44 auf 78 Prozent. Zusätzlich zum Schulfach Religion, das eine freie Wahl der Konfession gewährleistete, ist 2007 das Pflichtfach „Grundlagen der orthodoxen Kultur“ an staatlichen Schulen hinzugekommen. Auch die Stiftung zur Förderung russischer Kultur „Russkij mir“ (Russische Welt) wurde von der Russisch-Orthodoxen Kirche in Zusammenarbeit mit russischen Politideologen erarbeitet, die in über 29 Ländern Ableger haben.

Patriarch und Präsident geeint haben einen neuen „Nationalstolz“ in Abgrenzung zum Westen und dessen Werten entwickelt: „Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion wurde die Kirche zum Hoffnungsträger einer gedemütigten Nation“ , sagt Detlef Pollack. Seit den 1990er Jahren pflegen russische Intellektuelle Kontakte mit religiös motivierten fundamentalistischen Gruppierungen der ganzen Welt; so fand beispielsweise die Gründung des sogenannten „World Congress of Families“ 1997 in Moskau in Kooperation zwischen dem Regierungsvertreter der damaligen Reagon-Regierung und den russischen Intellektuellen Anatoly Antonov und Viktor Medkov statt. Seitdem hat sich diese Bewegung, mit Sitz in Rockford, Illinois, die Verteidigung der „natürlichen Familie, definiert als heterosexuell verheiratete Paare mit deren biologischen Kindern“, zum Ziel gesetzt. Der damalige WCF-Geschäftsführer Larry Jacobs bezeichnete das russische Propaganda-Gesetz von 2013, das LGBT-Personen daran hindern soll, dass Kinder vermeintlich korrumpiert werden könnten, eine „großartige Idee“.

Rechte christliche internationale Kräfte wissen sehr genau um die Allianz von Staat und Russisch-Orthodoxer Kirche, wenn sie – wie etwa der frühere Produzent von Fox News und Mitglied des WCF Jack Hanick – die russische Orthodoxie und den Bau von über 25.000 Kirchen seit dem Zerfall der Sowjetunion loben. Auch anderen homophoben, weißen, rechtskonservativen Christen, so auch den Nationalisten Matthew Heimbach, den Alt-Right Führer Richard Spencer oder dem Ku Klux Klan-Anwalt Sam Dickson, erscheint Russland mit seinem auf der Orthodoxie basierenden Nationalismus als Verbündeter für ein traditionelles biologistisches Familienbild und globales Bollwerk des Christentums gegen das freie Ausleben unterschiedlicher sexueller Orientierungen, Bedürfnisse und Beziehungen.

Julija Cvetkova ist kein Einzelfall: Aktivistische Kunst unter Beschuss

In Reaktion auf die absurde juristische Verfolgung der jungen Feministin aus Chabarowsk sind landesweit und international zahlreiche Proteste organisiert worden. So fand im Sommer 2020 in Berlin im Rahmen des „Red Square“, einem transdisziplinären Festival für Aktivismus und kritische Kunst aus Osteuropa, eine Ausstellung der Theaterpädagogin und Kuratorin Kyra Shmyreva‌ statt. Neben Straßendemonstrationen vor der Russischen Botschaft gab es zudem digitalen Support: Aktivist_innen verbreiteten in Foren, auf Webseiten und Social Media-Kanälen die Parolen: „Mein Körper ist keine Pornographie" und „Mein Körper, meine Sache“. In Russland wurden Proteste, die „Freiheit für Julija Cvetkova“ verlangten, brutal aufgelöst.

Amnesty International sowie die in Russland bereits verbotene Organisation Memorial (konkret die internationale Dachorganisation und das Moskauer Menschenrechtszentrum) stuften Cvetkova aufgrund ihres äußerst brisanten Falls als politische Gefangene ein. Sie erhielt Morddrohungen, Polizisten veröffentlichten ihre private Wohnadresse und stellten ein Vernehmungsvideo ins Netz, in dem sie als „Lesbe, Sexualtrainerin und Propagandistin“ diffamiert wird. Auch Cvetkovas Mutter wurde Ziel von Attacken. Deshalb startete Amnesty International einen supranationalen Aufruf zur Beendigung dieser repressiven Maßnahmen gegen sie. Der Forderung, Julija Cvetkovas Arbeits- und Publikationsverbot aufzuheben und sie frei zu lassen, schlossen sich über 150 weltweit agierende Kunstschaffende an. Die öffentlich-rechtliche BBC listete Cvetkova unter die hundert einflussreichsten Frauen des Jahres 2020.

Die internationale Aufmerksamkeit blieb lange erfolglos: Ganz im Gegenteil führte die internationale Unterstützung dazu, dass Julija Cvetkova zum „ausländischen Agenten“ erklärt wurde. Das Gesetz über „ausländische Agenten“ hat seit 2012 unliebsame NGOs adressiert und ähnlich wie das „Propaganda-Gesetz“ über die Jahre eine Verschärfung erfahren. Seit 2017 trifft es Medien, seit 2019 können Einzelpersonen zu „ausländischen Agenten“ erklärt werden, seit 2022 ist es noch willkürlicher nach Interpretation des Justizministeriums einsetzbar.

Als Aktivistin ist Julija Cvetkova kein Einzelfall: Seit 2013 hat sich in Russland die Lage für Queerfeminist_innen, Regenbogenfamilien und Menschenrechtsbewegungen grundlegend verschärft. Diese Entwicklungen in der russischen Provinz stehen im Kontext zu anderen Regionen bzw. Ländern Osteuropas; auch derer, die in der Europäischen Union sind. Die menschenverachtende Annahme, sexuelle Orientierungen seien Ideologien und westlicher „Lifestyle“, zeigte unter anderem in Polen schwerwiegende Folgen: Ein Drittel aller Kommunen und Städte labelte sich seit 2019 als „LGBT-Ideologie-freie Zonen“. In Ungarn wurde die Geschlechterforschung als Masterstudiengang 2018 abgeschafft, außerdem wurde Bürger_innen die Änderung von Personenstandsdaten im Standesamt verboten. Die Ereignisse in Russland reihen sich in diesen Kulturkampf ein – gehen in ihrer Funktion als Kriegsstrategie jedoch deutlich darüber hinaus.

Aktivistisches Balagan-Jugendtheater „Merak“ und Vulva-Monologe

Die Kinder- und Jugendtheater-Gruppe, die Julija Cvetkova leitete und für welche sie auch diverse Stücke schrieb, wurde im März 2019 Ziel einer offen queerfeindlichen Kampagne. Das Konzept des Jugendtheaters klingt bereits im Namen an. Die Gruppe erarbeitete ein diverses Performancestück mit dem Titel „Blau und Rosa“ zum Abbau von genderbasierten Vorurteilen, Mobbing und Diskriminierung. Ganz nach der Idee des durch Augusto Boal begründeten „Forumtheaters“ sollte dieses Stück das Publikum involvieren und Handlungsimpulse geben. Methodisch werden hierbei Strategien der Selbstermächtigung und -bestimmung (sog. Empowerment) eingesetzt, um eine benachteiligte und marginalisierte Gruppe sprechen lassen zu können. Die Jugendlichen im Alter von sieben bis siebzehn Jahren brachten eigene Ideen mit, aus denen dann unter Anleitung der Theaterprädagogin eigene Zugänge entwickelt wurden. Nach Polizeiermittlungen durfte Cvetkova ihre Arbeit nicht fortsetzen – und die Theatergruppe, die sie 2018 gegründet hatte, musste ihre Arbeit ebenfalls einstellen. Der Vorwurf „Propaganda für nicht-traditionelle sexuelle Beziehungen zwischen Minderjährigen“ stand schmähend im Raum.

Die Bilderserie „Ženščina ne kukla“ (engl.: “A Woman Is Not A Doll“) widmet sich dem Thema der Körperpositivität, für die sie mit einer Geldbuße von 75.000 Rubel (in Euro nach jetzigem Kurs ca. 747 Euro) verurteilt wurde – das ist nur einer von drei administrativen Prozessen neben der Hauptanklage. Für ebenjene Zeichnungen wurde Cvetkova nach Paragraf 242 (3b) des russischen Strafgesetzbuchs der „Herstellung und Verbreitung von pornographischem Material“ bezichtigt. Zu sehen sind selbstbewusst lächelnde weibliche Figuren, die etwa menstruieren, schiefe Zähne haben, Behaarung, Falten, Speckröllchen, Knochen, Pickel, Muskeln und viele weitere menschliche Normalitäten. Auch diese Serie trägt eine aktivistische Handschrift, die Betrachtende empowern will.

Ihre Zeichnungen, die Cvetkova in sozialen Netzwerken veröffentlichte, betrachten sowohl die queer-feministische Künstlerin als auch Kunstexpert_innen, wie etwa die russische „Assoziation der Theater-Kritiker“ oder die amerikanische Dramatikerin Eve Ensler, nicht als Pornografie, sondern berufen sich – unter Verweis auf Gemälde großer Meister von nackten Frauen, die in Museen der Welt zu sehen sind, – auf die Kunstfreiheit. Viele prominente Russ_innen aus dem Show- und Mediengeschäft, Menschenrechtler_innen und Politiker_innen hatten das Vorgehen der Justiz gegen Cvetkova ab 2019 verurteilt. Die Anklage und drohende Haftstrafe von sechs Jahren rief vielfach Reaktionen von Künstler_innen hervor, wie etwa von der zeitgenössischen russischen Dichterin Galina Rymbu. Sie veröffentlichte auf dem ukrainischen Portal ShO (shoizdat.com) das Gedicht „Moja vagina“ (dt.: „Meine Vagina“) mit der Hashtag-Markierung unterhalb des Gedichts „Für Yulia“ (#заЮлю). Das Gedicht von Galina Rymbu spielt auch stilistisch an die von Yulia vormals betriebene gleichnamige Gruppe im russischen Facebook-Äquivalent Vkontakte „Monologi variny“ („Vagina-Monologe“) an, in dem sie durch Postings verschiedener künstlerischer Vagina- und Vulva-Darstellungen gegen Stigmatisierung (wie etwa der Menstruation) vorgehen und zur Erkundung des weiblichen Organs aufrufen wollte.

Wenn auch von der ausgebildeten Theaterpädagogin Julija Cvetkova selbst nicht ausgewiesen, so stellen sich ihre Vagina-Monologe in die Tradition des gleichnamigen Theaterstücks und Buchs der New Yorker Theaterautorin Eve Ensler, The Vagina Monologues, uraufgeführt als Solo-Performance in New York 1996. Dreieinhalb Jahre wurde es anschließend am Off-Broadway gespielt, Ensler erhielt zahlreise Preise. In Russland gab es Adaptionen im DOK-Theater 2018 (Moskau) und im Konzertsaal des Museums Erarta-Scena 2016 (Sankt Petersburg).

In dem 2021 geschriebenen Gedicht von Galina Rymbu avanciert die Vagina zu einer Kampfansage: an Militarismus, imperialistische, von Männern gemachte Kriege und Machtansprüche. Es liest sich unter den Vorzeichen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine auch als ein feministisches Antikriegs-Gedicht, von einer russischsprachigen und in Omsk geborenen Schriftstellerin, die allerdings seit vielen Jahren in Lwiw lebt und deren Großeltern aus der Ukraine (Region Charkiw) nach dem ersten und zweiten Holodomor nach Sibirien fliehen mussten. Cvetkovas Theater „Merak“ hat sich im Übrigen auch als pazifistisches Projekt gegen die schon damals allmählich wachsende Militarisierung der russischen Gesellschaft verstanden, da es öffentlich zu Antikriegs-Filmabenden einlud oder im Jugend-Theaterstück „Segne den Herrn und seine Munition“ die Gefahr von Waffen herausarbeitete.

Auszug aus dem Gedicht „Meine Vagina“ von Galina Rymbu:

Quelle des Gedichts: https://shoizdat.com/galina-rymbu-moya-vagina/

Die Bilder im Textbeitrag stammen von der Webseite „Free Yulia Tsvetkova“ und wurden hier unter Einwilligung der Mutter der Künstlerin veröffentlicht.

Causa Julija Cvetkova: Viva la Vulva gegen die Allianz von Staat und Kirche - novinki
Redak­tion „novinki“

Hum­boldt-Uni­ver­sität zu Berlin
Sprach- und lite­ra­tur­wis­sen­schaft­liche Fakultät
Institut für Slawistik
Unter den Linden 6
10099 Berlin

Causa Julija Cvet­kova: Viva la Vulva gegen die Allianz von Staat und Kirche

Die rus­si­sche Akti­vistin und Thea­ter­re­gis­seurin Julija Cvet­kova ist nach drei Jahren Haus­ar­rest, Gerichts­pro­zessen und Bedro­hungen Ende November 2022 frei­ge­kommen. Als Akti­vistin für LGBT-Rechte ist sie kein Ein­zel­fall. Queere Men­schen werden als „stö­rende Ver­west­li­chung“ dif­fa­miert, das macht sie beson­ders wäh­rend des Rus­sisch-Ukrai­ni­schen Krieges zur öffent­li­chen Ziel­scheibe und zur Exem­pli­fi­zie­rung des Feindes im Inneren.

novinki stellt Cvet­kovas viel­sei­tiges Schaffen vor.

 

Der Fall Julija Cvet­kova [Yulia Tsvet­kova], eine rus­si­sche Künst­lerin, Akti­vistin und Jugend­theater-Regis­seurin, sorgte die letzten drei-vier Jahre für inter­na­tio­nale Empö­rung und Anteil­nahme. Für das Erstellen und Ver­öf­fent­li­chen queer-femi­nis­ti­scher Zeich­nungen u.a. in sozialen Medien drohten der jungen Akti­vistin aus Cha­ba­rowsk bis zu sechs Jahre Haft. Ende November 2022 kam Bewe­gung in das Ver­fahren und mit ihr die Erleich­te­rung: Frei­spruch. Eine zyni­sche Geste, denn am Tag des Frei­spruchs lagen Haus­ar­rest und Straf­ver­fahren am 22. November 2019 genau drei Jahre zurück. Ihr Fall steht bei­spiel­haft für die rechts­na­tional-kon­ser­va­tive und auto­ri­täre Innen­po­litik Russ­lands, wie sie sich schon vor Beginn des rus­si­schen flä­chen­de­ckenden Angriffs­kriegs auf die Ukraine im Februar 2022 zu erkennen gab.

Als Julija Cvet­kova im November 2019 in ihrer Hei­mat­stadt Kom­so­molsk am Amur, im Osten Russ­lands, von der Polizei fest­ge­nommen und ver­hört wurde, sollten für sie Haus­ar­rest, meh­rere Gerichts­pro­zesse, Schi­kanen und ein Hun­ger­streik folgen. Auch Schi­kanen in Form einer ver­ord­neten psych­ia­tri­schen Unter­su­chung im Februar 2020 erlebte die queere Femi­nistin aus Cha­ba­rowsk. Der im Haupt­pro­zess erho­bene Vor­wurf lau­tete: „Her­stel­lung und Ver­brei­tung von por­no­gra­phi­schem Mate­rial“ nach Para­graf 242 (3b) des rus­si­schen Straf­ge­setz­buchs. Die Neben­an­klagen bezogen sich auf den Vor­wurf der Pro­pa­ganda „nicht-tra­di­tio­neller Bezie­hungen“. Nach drei­jäh­riger Pro­zess­dauer schließ­lich bestä­tigte Ende November 2022 das Land­ge­richt Cha­ba­rowsk in einer Beru­fungs­ver­hand­lung den im Juli 2022 in erster Instanz durch­ge­brachten Frei­spruch – und das trotz viel­fa­cher Bemü­hungen der Staats­an­walt­schaft, die das Ver­fahren immer wieder zu ver­län­gern ver­sucht hatte. Neben dem Haupt­ver­fahren wurde sie aller­dings im Rahmen dreier wei­terer Anklagen mit Geld­strafen belegt. Im Falle einer Ver­ur­tei­lung in allen Ver­fahren hätten Cvet­kova schlimms­ten­falls bis zu sechs Jahren Straf­lager-Haft gedroht.

Queere Men­schen als „west­li­cher“ Feind im Inneren 

Men­schen mit diversen sexu­ellen Ori­en­tie­rungen werden infolge der Ver­ab­schie­dung eines neuen Gesetzes zum Verbot von Geschlechts­an­glei­chung vom 13. Juli 2023 end­gültig kri­mi­na­li­siert: Schon zuvor war queeren Men­schen schlichtweg die Exis­tenz unter­sagt, queere Bezie­hungen durften nicht mehr gelebt werden, trans­se­xu­elle Men­schen mussten sich ver­ste­cken. Selbst jed­wedes Spre­chen über Homo­se­xua­lität oder Trans­ge­schlecht­lich­keit galt bereits als „west­liche“ und somit feind­liche Pro­pa­ganda – und wurde im Dezember 2022 (ein Monat nach Cvet­kovas Ent­las­sung) in einer Geset­zes­än­de­rung mit Pädo­philie gleich­ge­setzt. Doch nun sind auch Ope­ra­tionen und Hor­mon­be­hand­lungen, die nötig sind, um das Geschlecht anzu­glei­chen, gesetz­lich ver­boten. Trans und Inter darf es dem Kreml’ zufolge nicht geben.

All diese recht­li­chen Ver­schär­fungen gehen auf das 2013 in Kraft getre­tene „Gesetz zum Verbot der Pro­pa­gie­rung nicht­tra­di­tio­neller sexu­eller Bezie­hungen“ zurück, das bis Dezember 2022 bloß für Min­der­jäh­rige galt. Die Alters­an­gabe 18+, derer sich NGOs und Medien u.a. zur Legi­ti­mie­rung gegen­über dem Gesetz über die „Pro­pa­ganda für Bezie­hungen unter Min­der­jäh­rigen“ in Russ­land bedienten, konnte Cvet­kova aller­dings schon damals vor Gericht nicht vor der Willkür des Staates schützen.

Die Allianz von Kirche und Staat hat nicht nur den Weg zu einer breiten Akzep­tanz von Putins Krieg gegen die Ukraine geebnet. Durch ihren Ein­fluss hat sie u.a. die poli­tisch-moti­vierte Homo­phobie gesell­schafts­fähig gemacht. Nach dem Reli­gi­ons­so­zio­logen Detlef Pol­lack ist die Zahl derer, die sich mit der Ortho­doxie iden­ti­fi­zieren, von 1990 bis 2020 von einem Drittel auf mehr als zwei Drittel gestiegen; die Zahl der Gläu­bigen stieg von 44 auf 78 Pro­zent. Zusätz­lich zum Schul­fach Reli­gion, das eine freie Wahl der Kon­fes­sion gewähr­leis­tete, ist 2007 das Pflicht­fach „Grund­lagen der ortho­doxen Kultur“ an staat­li­chen Schulen hin­zu­ge­kommen. Auch die Stif­tung zur För­de­rung rus­si­scher Kultur „Russkij mir“ (Rus­si­sche Welt) wurde von der Rus­sisch-Ortho­doxen Kirche in Zusam­men­ar­beit mit rus­si­schen Polit­ideo­logen erar­beitet, die in über 29 Län­dern Ableger haben.

Patri­arch und Prä­si­dent geeint haben einen neuen „Natio­nal­stolz“ in Abgren­zung zum Westen und dessen Werten ent­wi­ckelt: „Nach dem Zusam­men­bruch der Sowjet­union wurde die Kirche zum Hoff­nungs­träger einer gede­mü­tigten Nation“ , sagt Detlef Pol­lack. Seit den 1990er Jahren pflegen rus­si­sche Intel­lek­tu­elle Kon­takte mit reli­giös moti­vierten fun­da­men­ta­lis­ti­schen Grup­pie­rungen der ganzen Welt; so fand bei­spiels­weise die Grün­dung des soge­nannten „World Con­gress of Fami­lies“ 1997 in Moskau in Koope­ra­tion zwi­schen dem Regie­rungs­ver­treter der dama­ligen Reagon-Regie­rung und den rus­si­schen Intel­lek­tu­ellen Ana­toly Antonov und Viktor Medkov statt. Seitdem hat sich diese Bewe­gung, mit Sitz in Rock­ford, Illi­nois, die Ver­tei­di­gung der „natür­li­chen Familie, defi­niert als hete­ro­se­xuell ver­hei­ra­tete Paare mit deren bio­lo­gi­schen Kin­dern“, zum Ziel gesetzt. Der dama­lige WCF-Geschäfts­führer Larry Jacobs bezeich­nete das rus­si­sche Pro­pa­ganda-Gesetz von 2013, das LGBT-Per­sonen daran hin­dern soll, dass Kinder ver­meint­lich kor­rum­piert werden könnten, eine „groß­ar­tige Idee“.

Rechte christ­liche inter­na­tio­nale Kräfte wissen sehr genau um die Allianz von Staat und Rus­sisch-Ortho­doxer Kirche, wenn sie – wie etwa der frü­here Pro­du­zent von Fox News und Mit­glied des WCF Jack Hanick – die rus­si­sche Ortho­doxie und den Bau von über 25.000 Kir­chen seit dem Zer­fall der Sowjet­union loben. Auch anderen homo­phoben, weißen, rechts­kon­ser­va­tiven Christen, so auch den Natio­na­listen Matthew Heim­bach, den Alt-Right Führer Richard Spencer oder dem Ku Klux Klan-Anwalt Sam Dickson, erscheint Russ­land mit seinem auf der Ortho­doxie basie­renden Natio­na­lismus als Ver­bün­deter für ein tra­di­tio­nelles bio­lo­gis­ti­sches Fami­li­en­bild und glo­bales Boll­werk des Chris­ten­tums gegen das freie Aus­leben unter­schied­li­cher sexu­eller Ori­en­tie­rungen, Bedürf­nisse und Beziehungen.

Julija Cvet­kova ist kein Ein­zel­fall: Akti­vis­ti­sche Kunst unter Beschuss 

In Reak­tion auf die absurde juris­ti­sche Ver­fol­gung der jungen Femi­nistin aus Cha­ba­rowsk sind lan­des­weit und inter­na­tional zahl­reiche Pro­teste orga­ni­siert worden. So fand im Sommer 2020 in Berlin im Rahmen des „Red Square“, einem trans­dis­zi­pli­nären Fes­tival für Akti­vismus und kri­ti­sche Kunst aus Ost­eu­ropa, eine Aus­stel­lung der Thea­ter­päd­agogin und Kura­torin Kyra Shmyreva‌ statt. Neben Stra­ßen­de­mons­tra­tionen vor der Rus­si­schen Bot­schaft gab es zudem digi­talen Sup­port: Aktivist_innen ver­brei­teten in Foren, auf Web­seiten und Social Media-Kanälen die Parolen: „Mein Körper ist keine Por­no­gra­phie” und „Mein Körper, meine Sache“. In Russ­land wurden Pro­teste, die „Frei­heit für Julija Cvet­kova“ ver­langten, brutal aufgelöst.

Amnesty Inter­na­tional sowie die in Russ­land bereits ver­bo­tene Orga­ni­sa­tion Memo­rial (kon­kret die inter­na­tio­nale Dach­or­ga­ni­sa­tion und das Mos­kauer Men­schen­rechts­zen­trum) stuften Cvet­kova auf­grund ihres äußerst bri­santen Falls als poli­ti­sche Gefan­gene ein. Sie erhielt Mord­dro­hungen, Poli­zisten ver­öf­fent­lichten ihre pri­vate Wohn­adresse und stellten ein Ver­neh­mungs­video ins Netz, in dem sie als „Lesbe, Sexu­al­trai­nerin und Pro­pa­gan­distin“ dif­fa­miert wird. Auch Cvet­kovas Mutter wurde Ziel von Atta­cken. Des­halb star­tete Amnesty Inter­na­tional einen supra­na­tio­nalen Aufruf zur Been­di­gung dieser repres­siven Maß­nahmen gegen sie. Der For­de­rung, Julija Cvet­kovas Arbeits- und Publi­ka­ti­ons­verbot auf­zu­heben und sie frei zu lassen, schlossen sich über 150 welt­weit agie­rende Kunst­schaf­fende an. Die öffent­lich-recht­liche BBC lis­tete Cvet­kova unter die hun­dert ein­fluss­reichsten Frauen des Jahres 2020.

Die inter­na­tio­nale Auf­merk­sam­keit blieb lange erfolglos: Ganz im Gegen­teil führte die inter­na­tio­nale Unter­stüt­zung dazu, dass Julija Cvet­kova zum „aus­län­di­schen Agenten“ erklärt wurde. Das Gesetz über „aus­län­di­sche Agenten“ hat seit 2012 unlieb­same NGOs adres­siert und ähn­lich wie das „Pro­pa­ganda-Gesetz“ über die Jahre eine Ver­schär­fung erfahren. Seit 2017 trifft es Medien, seit 2019 können Ein­zel­per­sonen zu „aus­län­di­schen Agenten“ erklärt werden, seit 2022 ist es noch will­kür­li­cher nach Inter­pre­ta­tion des Jus­tiz­mi­nis­te­riums einsetzbar.

Als Akti­vistin ist Julija Cvet­kova kein Ein­zel­fall: Seit 2013 hat sich in Russ­land die Lage für Queerfeminist_innen, Regen­bo­gen­fa­mi­lien und Men­schen­rechts­be­we­gungen grund­le­gend ver­schärft. Diese Ent­wick­lungen in der rus­si­schen Pro­vinz stehen im Kon­text zu anderen Regionen bzw. Län­dern Ost­eu­ropas; auch derer, die in der Euro­päi­schen Union sind. Die men­schen­ver­ach­tende Annahme, sexu­elle Ori­en­tie­rungen seien Ideo­lo­gien und west­li­cher „Life­style“, zeigte unter anderem in Polen schwer­wie­gende Folgen: Ein Drittel aller Kom­munen und Städte labelte sich seit 2019 als „LGBT-Ideo­logie-freie Zonen“. In Ungarn wurde die Geschlech­ter­for­schung als Mas­ter­stu­di­en­gang 2018 abge­schafft, außerdem wurde Bürger_innen die Ände­rung von Per­so­nen­stands­daten im Stan­desamt ver­boten. Die Ereig­nisse in Russ­land reihen sich in diesen Kul­tur­kampf ein – gehen in ihrer Funk­tion als Kriegs­stra­tegie jedoch deut­lich dar­über hinaus.

Akti­vis­ti­sches Balagan-Jugend­theater „Merak“ und Vulva-Monologe

Die Kinder- und Jugend­theater-Gruppe, die Julija Cvet­kova lei­tete und für welche sie auch diverse Stücke schrieb, wurde im März 2019 Ziel einer offen que­er­feind­li­chen Kam­pagne. Das Kon­zept des Jugend­thea­ters klingt bereits im Namen an. Die Gruppe erar­bei­tete ein diverses Per­for­man­ce­stück mit dem Titel „Blau und Rosa“ zum Abbau von gen­der­ba­sierten Vor­ur­teilen, Mob­bing und Dis­kri­mi­nie­rung. Ganz nach der Idee des durch Augusto Boal begrün­deten „For­um­thea­ters“ sollte dieses Stück das Publikum invol­vieren und Hand­lungs­im­pulse geben. Metho­disch werden hierbei Stra­te­gien der Selbst­er­mäch­ti­gung und ‑bestim­mung (sog. Empower­ment) ein­ge­setzt, um eine benach­tei­ligte und mar­gi­na­li­sierte Gruppe spre­chen lassen zu können. Die Jugend­li­chen im Alter von sieben bis sieb­zehn Jahren brachten eigene Ideen mit, aus denen dann unter Anlei­tung der Thea­ter­präd­agogin eigene Zugänge ent­wi­ckelt wurden. Nach Poli­zei­er­mitt­lungen durfte Cvet­kova ihre Arbeit nicht fort­setzen – und die Thea­ter­gruppe, die sie 2018 gegründet hatte, musste ihre Arbeit eben­falls ein­stellen. Der Vor­wurf „Pro­pa­ganda für nicht-tra­di­tio­nelle sexu­elle Bezie­hungen zwi­schen Min­der­jäh­rigen“ stand schmä­hend im Raum.

Die Bil­der­serie „Ženščina ne kukla“ (engl.: “A Woman Is Not A Doll“) widmet sich dem Thema der Kör­per­po­si­ti­vität, für die sie mit einer Geld­buße von 75.000 Rubel (in Euro nach jet­zigem Kurs ca. 747 Euro) ver­ur­teilt wurde – das ist nur einer von drei admi­nis­tra­tiven Pro­zessen neben der Haupt­an­klage. Für eben­jene Zeich­nungen wurde Cvet­kova nach Para­graf 242 (3b) des rus­si­schen Straf­ge­setz­buchs der „Her­stel­lung und Ver­brei­tung von por­no­gra­phi­schem Mate­rial“ bezich­tigt. Zu sehen sind selbst­be­wusst lächelnde weib­liche Figuren, die etwa menstru­ieren, schiefe Zähne haben, Behaa­rung, Falten, Speck­röll­chen, Kno­chen, Pickel, Mus­keln und viele wei­tere mensch­liche Nor­ma­li­täten. Auch diese Serie trägt eine akti­vis­ti­sche Hand­schrift, die Betrach­tende empowern will.

Ihre Zeich­nungen, die Cvet­kova in sozialen Netz­werken ver­öf­fent­lichte, betrachten sowohl die queer-femi­nis­ti­sche Künst­lerin als auch Kunstexpert_innen, wie etwa die rus­si­sche „Asso­zia­tion der Theater-Kri­tiker“ oder die ame­ri­ka­ni­sche Dra­ma­ti­kerin Eve Ensler, nicht als Por­no­grafie, son­dern berufen sich – unter Ver­weis auf Gemälde großer Meister von nackten Frauen, die in Museen der Welt zu sehen sind, – auf die Kunst­frei­heit. Viele pro­mi­nente Russ_innen aus dem Show- und Medi­en­ge­schäft, Menschenrechtler_innen und Politiker_innen hatten das Vor­gehen der Justiz gegen Cvet­kova ab 2019 ver­ur­teilt. Die Anklage und dro­hende Haft­strafe von sechs Jahren rief viel­fach Reak­tionen von Künstler_innen hervor, wie etwa von der zeit­ge­nös­si­schen rus­si­schen Dich­terin Galina Rymbu. Sie ver­öf­fent­lichte auf dem ukrai­ni­schen Portal ShO (shoizdat.com) das Gedicht „Moja vagina“ (dt.: „Meine Vagina“) mit der Hashtag-Mar­kie­rung unter­halb des Gedichts „Für Yulia“ (#заЮлю). Das Gedicht von Galina Rymbu spielt auch sti­lis­tisch an die von Yulia vor­mals betrie­bene gleich­na­mige Gruppe im rus­si­schen Face­book-Äqui­va­lent Vkon­takte „Mono­logi variny“ („Vagina-Mono­loge“) an, in dem sie durch Pos­tings ver­schie­dener künst­le­ri­scher Vagina- und Vulva-Dar­stel­lungen gegen Stig­ma­ti­sie­rung (wie etwa der Mens­trua­tion) vor­gehen und zur Erkun­dung des weib­li­chen Organs auf­rufen wollte.

Wenn auch von der aus­ge­bil­deten Thea­ter­päd­agogin Julija Cvet­kova selbst nicht aus­ge­wiesen, so stellen sich ihre Vagina-Mono­loge in die Tra­di­tion des gleich­na­migen Thea­ter­stücks und Buchs der New Yorker Thea­ter­au­torin Eve Ensler, The Vagina Mono­lo­gues, urauf­ge­führt als Solo-Per­for­mance in New York 1996. Drei­ein­halb Jahre wurde es anschlie­ßend am Off-Broadway gespielt, Ensler erhielt zahl­reise Preise. In Russ­land gab es Adap­tionen im DOK-Theater 2018 (Moskau) und im Kon­zert­saal des Museums Erarta-Scena 2016 (Sankt Petersburg).

In dem 2021 geschrie­benen Gedicht von Galina Rymbu avan­ciert die Vagina zu einer Kampf­an­sage: an Mili­ta­rismus, impe­ria­lis­ti­sche, von Män­nern gemachte Kriege und Macht­an­sprüche. Es liest sich unter den Vor­zei­chen des rus­si­schen Angriffs­kriegs gegen die Ukraine auch als ein femi­nis­ti­sches Anti­kriegs-Gedicht, von einer rus­sisch­spra­chigen und in Omsk gebo­renen Schrift­stel­lerin, die aller­dings seit vielen Jahren in Lwiw lebt und deren Groß­el­tern aus der Ukraine (Region Charkiw) nach dem ersten und zweiten Holo­domor nach Sibi­rien fliehen mussten. Cvet­kovas Theater „Merak“ hat sich im Übrigen auch als pazi­fis­ti­sches Pro­jekt gegen die schon damals all­mäh­lich wach­sende Mili­ta­ri­sie­rung der rus­si­schen Gesell­schaft ver­standen, da es öffent­lich zu Anti­kriegs-Film­abenden einlud oder im Jugend-Thea­ter­stück „Segne den Herrn und seine Muni­tion“ die Gefahr von Waffen herausarbeitete.

Auszug aus dem Gedicht „Meine Vagina“ von Galina Rymbu:

Quelle des Gedichts: https://shoizdat.com/galina-rymbu-moya-vagina/

Die Bilder im Text­bei­trag stammen von der Web­seite „Free Yulia Tsvet­kova“ und wurden hier unter Ein­wil­li­gung der Mutter der Künst­lerin veröffentlicht.