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Gegen das Begehren anjoggen – eine Filmrezension zu „W imię…“ von Małgorzata Szumowska

Posted on 16. Januar 2014 by Julia Fertig
Die Premiere von Małgorzata Szumowskas Film W imię… (Im Namen des...), den Nina Seiler in ihrem Blogbeitrag vorstellt, mag schon wieder einige Jahre zurückliegen, das Problem jedoch, das Regisseurin wie Rezensentin ansprechen, ist nach wie vor aktuell: Der schwierige Umgang der katholischen Kirche mit Homosexualität und Missbrauch, wobei beide Komplexe gern auf unzulässige Weise vermischt werden. Vor dem Hintergrund der polnischen Provinz nun fängt Szumowska homosexuelles Begehren und erotische Erfüllung ebenso ein wie körperliche Züchtigung und die Unmöglichkeit der Kommunikation zwischen Polen A und Polen B.

Małgorzata Szumowskas Film W imię… bringt mit einem schwulen Priester eine nicht ganz neue Thematik auf die Kinoleinwand. Dennoch ist er mehr als eine Fußnote zu den aktuellen Debatten über Kirche und Sexualität, denn er greift die Problematik des ,Polen B’, den vom Fortschritt vergessenen ländlichen Gebieten, allgemeiner auf.

 

Nachdem die Gay literature in Polen vor bald zehn Jahren das Licht einer breiteren Öffentlichkeit erblickt hat, zieht nun das Kino nach. Im Film W imię… (internationaler Titel: In the Name of…) der Regisseurin Małgorzata Szumowska ringt Andrzej Chyra in der Rolle eines Priesters darum, seine (Homo-)Sexualität geheim zu halten. Es ist jedoch alles andere als ein Film über gelebte Homosexualität, auch wenn der Geistliche seinem Begehren schließlich erliegt. Vielmehr bilden die Entbehrungen und Abgründe einer maroden Gesellschaft im vergessenen Hinterland des prosperierenden Polen den Grundton des Streifens, der 2013 bei der Berlinale Premiere feierte.
Sexualität und Religion sind Themen, die aktuell in Polen besonders kontrovers diskutiert werden: Die katholische Kirche ist gebeutelt von Enthüllungen über sexuellen Missbrauch durch Geistliche und sucht ihre Integrität mit scharfem Geschütz zu verteidigen. So prangert sie die ‚Gender-Ideologie‘ als Ursache des Übels an und stellt sich gegen jegliche Toleranz gegenüber Homosexuellen. Doch diese Einstellung stößt vermehrt auf Unverständnis. Szumowska legt mit ihrem Film den Finger auf einen wunden Punkt des polnischen Katholizismus und interpretiert diesen auf ihre eigene Weise.

 

Schauplatz des Geschehens ist ein Dorf in der polnischen Provinz. Doch wird das Publikum keineswegs in eine ländliche Idylle entführt. Krude Dorfbewohner, eine Gruppe von schwer erziehbaren Jugendlichen, die mit Unflätigkeiten nicht sparsam sind, sowie einige gestrandete Städter bilden das Ensemble. In der Sommerhitze brüten alle dahin und scheinen auf etwas zu warten. In dieses Umfeld kommt der Jesuit Adam als Dorfpriester und Heimbetreuer. Dank seiner Lockerheit erfreut er sich einer beachtlichen Popularität. Die Jugendlichen akzeptieren ihn als Vertrauensperson, und die Ehefrau des Co-Betreuers Michał, Ewa, macht Adam unmissverständliche Avancen, von denen er sich jedoch distanziert. Währenddessen aber scheint der Sohn einer ansässigen Familie, der Außenseiter Łukasz, eine ganz eigene Zuneigung zu Adam zu entwickeln. Mit der wachsenden Vertrautheit entspinnt sich zwischen den Protagonisten ein heimliches Begehren, das mit dem Eintreffen des unberechenbaren Adrian bedroht wird. Adrian ‚Blondi‘ erfasst die Situation schnell und entpuppt sich als Adams amoralischer Gegenpart. Mit seinem Verhalten gefährdet er die bislang aufrechterhaltene Schein-Asexualität Adams, dem nun zunehmend die Fäden aus der Hand gleiten.

 

Die filmische Umsetzung des Stoffs lässt nichts zu wünschen übrig. Gekonnt wird die latente Spannung inszeniert, die im Dorf vorherrscht. Brüche werden erfahrbar, wenn scheinbar idyllische Bilder mit beunruhigendem Ton unterlegt werden. Die Sequenzen wirken verstreut, desorganisiert und fügen sich nur langsam zu einem Spannungsbogen zusammen. Doch auch dieser ist fragmentarisch und lückenhaft. Das Gefüge von gesellschaftlichem Druck und persönlichen Interessen spiegelt sich in der Perspektive wider: Die Kamera heftet sich scheinbar zufällig an Personen und illustriert so wirkungsvoll die Interdependenzen zwischen der Gemeinschaft und dem Individuum, das den Geschehnissen oft hilflos gegenübersteht. Der Plot wirkt fast beifällig und zwingt die Zuschauer immer wieder dazu, die einzelnen Sequenzen ernst zu nehmen. Diese fügen sich am Ende zu einem Gesamtbild, einem unerbittlichen Diskurs, der den Protagonisten immer wieder den Boden unter den Füßen wegzieht. Beinahe scheint es, als seien subjektive Entscheidungen bloß eine Illusion.

 

Wer W imię… gesehen hat, versteht, weshalb die katholische Kirche in Polen den Film zurückweist. Die Kirche als Institution wird hier in ein zwiespältiges Licht gerückt. So scheint sie ein Auffangbecken für Homosexuelle zu sein und Unstimmigkeiten lieber vertuschen zu wollen. Schließlich aber sind sie und die mit ihnen verknüpften Rollen vor allem eines: Fassade. Wie ein Arbeiter im Film treffend bemerkt, sind auch die Priester nur Menschen, sobald sie aus der Soutane schlüpfen. Und so geht es in diesem Film mehr um Menschen, als um die Kirche, die lediglich als Schablone und Potenzierung einer normierten Gesellschaft dient. Der Glaube selbst erscheint weniger problematisch als die darauf aufbauende Institution und Gesellschaft. Unter beidem leidet Pater Adam ebenso wie der Junge Gajo, der selbst erste homosexuelle Kontakte zu verarbeiten hat. Eine Stunde joggen täglich ist der einzige Rat, den ihm der Priester geben kann – ein nicht unironischer Kommentar zu seinen eigenen nächtlichen Waldläufen. Trotz immer wieder aufkommender Situationskomik ist der Umgang des Films mit (Homo-)Sexualität keinesfalls leichtfüßig. Angesichts der allgegenwärtigen Homophobie begeht Gajo Selbstmord und Adam ertränkt seine Sehnsüchte im Alkohol. Gegen die Angst vor der Stigmatisierung hilft auch alles Beichten und Joggen nichts, die Stimmung im polnischen Dorf ist unbarmherzig. Obwohl Adam eigentlich ein Sympathieträger ist, kommen Zweifel auf, wie christlich sein bisheriges Verhalten war. Als sich Adam im Skype-Gespräch mit seiner Schwester rechtfertigt, er habe doch die Jungen an seinem letzten Wirkungsort nur umarmen wollen, bleibt ein schaler Beigeschmack von Machtmissbrauch und sexuellem Übergriff. Und auch wenn Adam sich selbst als schwul und krank, aber nicht pädophil bezeichnet – und damit eine typische Verkürzung des homophoben Diskurses torpediert – ist sein Begehren doch unverkennbar auf die jüngere Generation gerichtet. Die Schwester jedoch geht nicht darauf ein und beendet das Gespräch wegen seines betrunkenen Zustandes vorzeitig. Dieser gescheiterte Austausch steht symptomatisch für die verhinderte Kommunikation. Die Gespräche im Film sind kurz und abgehackt, neben den brüsken Zurechtweisungen Michałs dominieren Andeutungen und Zweideutigkeiten – im Extremfall wird gebrüllt. Die verbale Kommunikation wird verdrängt durch eine Kommunikation der Körper. Gerade dies setzt Pater Adam zu, und er versucht, seinen nach Entfesselung strebenden Leib mit Alkohol und körperlicher Ertüchtigung zu knebeln. Auch eine Kommunikation mit Gott findet nicht statt. Das ‚Beten‘ reduziert sich auf die nächtlichen Joggingausflüge oder einen betrunkenen Tanz mit dem Papstportrait. Die Referenz auf Jesus Christus bleibt floskelhaft.

 

Die Hinwendung zur Körperlichkeit geht Hand in Hand mit der Inszenierung des Dorfes. Es scheint, als sei die Zeit stehen geblieben: Schweigende Frauen und zurückgebliebene ‚Dorftrottel‘, Szenen wie vor hundert Jahren, die langsame und zähflüssige Realität der Provinz. Ein Kontakt zwischen Zugezogenen und Dörflern kommt kaum zustande – und wenn die beiden Welten aufeinandertreffen, dann knallt es. So steht auch die Zerrissenheit Adams für den Versuch, eine hybride Identität zwischen Tradition und Moderne herzustellen. Seine betonte Jugendlichkeit und städtischen Verhaltensweisen stehen im Kontrast zu seiner Rolle als Priester. Prekär macht diese Kombination aber erst sein Begehren bzw. eine Gesellschaft, die dieses verhindert. Den Taumel zwischen den Sphären verdeutlicht die Szene einer religiösen Prozession, während der dem Kinopublikum Rockmusik der Band of Horses in den Ohren dröhnt. Noch benommen vom Alkoholrausch des Protagonisten am Tag zuvor, schwanken wir mit dem Umzug mit, unsere von der Sonne geblendeten Blicke gleiten an den Figuren ab. Exemplarisch steht auch diese Szene für die Dumpfheit und unklare Bestimmtheit, dass sich so bald nichts Grundlegendes ändern wird in ,Polen B’, dieser Kehrseite des Fortschritts und der EU-Förderung.

 

W imię… (In the Name of…), Małgośka Szumowska, PL 2012.

Bildquelle: Marina Zvjaginceva 2009, © Julia Zakirova.

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Gegen das Begehren anjoggen – eine Film­re­zen­sion zu „W imię…“ von Mał­gorzata Szumowska

Mał­gorzata Szu­mowskas Film W imię… bringt mit einem schwulen Priester eine nicht ganz neue The­matik auf die Kino­lein­wand. Den­noch ist er mehr als eine Fuß­note zu den aktu­ellen Debatten über Kirche und Sexua­lität, denn er greift die Pro­ble­matik des ‚Polen B’, den vom Fort­schritt ver­ges­senen länd­li­chen Gebieten, all­ge­meiner auf.

 

Nachdem die Gay lite­ra­ture in Polen vor bald zehn Jahren das Licht einer brei­teren Öffent­lich­keit erblickt hat, zieht nun das Kino nach. Im Film W imię… (inter­na­tio­naler Titel: In the Name of…) der Regis­seurin Mał­gorzata Szu­mowska ringt Andrzej Chyra in der Rolle eines Pries­ters darum, seine (Homo-)Sexualität geheim zu halten. Es ist jedoch alles andere als ein Film über gelebte Homo­se­xua­lität, auch wenn der Geist­liche seinem Begehren schließ­lich erliegt. Viel­mehr bilden die Ent­beh­rungen und Abgründe einer maroden Gesell­schaft im ver­ges­senen Hin­ter­land des pro­spe­rie­renden Polen den Grundton des Strei­fens, der 2013 bei der Ber­li­nale Pre­miere feierte.
Sexua­lität und Reli­gion sind Themen, die aktuell in Polen beson­ders kon­tro­vers dis­ku­tiert werden: Die katho­li­sche Kirche ist gebeu­telt von Ent­hül­lungen über sexu­ellen Miss­brauch durch Geist­liche und sucht ihre Inte­grität mit scharfem Geschütz zu ver­tei­digen. So pran­gert sie die ‚Gender-Ideo­logie‘ als Ursache des Übels an und stellt sich gegen jeg­liche Tole­ranz gegen­über Homo­se­xu­ellen. Doch diese Ein­stel­lung stößt ver­mehrt auf Unver­ständnis. Szu­mowska legt mit ihrem Film den Finger auf einen wunden Punkt des pol­ni­schen Katho­li­zismus und inter­pre­tiert diesen auf ihre eigene Weise.

 

Schau­platz des Gesche­hens ist ein Dorf in der pol­ni­schen Pro­vinz. Doch wird das Publikum kei­nes­wegs in eine länd­liche Idylle ent­führt. Krude Dorf­be­wohner, eine Gruppe von schwer erzieh­baren Jugend­li­chen, die mit Unflä­tig­keiten nicht sparsam sind, sowie einige gestran­dete Städter bilden das Ensemble. In der Som­mer­hitze brüten alle dahin und scheinen auf etwas zu warten. In dieses Umfeld kommt der Jesuit Adam als Dorf­priester und Heim­be­treuer. Dank seiner Locker­heit erfreut er sich einer beacht­li­chen Popu­la­rität. Die Jugend­li­chen akzep­tieren ihn als Ver­trau­ens­person, und die Ehe­frau des Co-Betreuers Michał, Ewa, macht Adam unmiss­ver­ständ­liche Avancen, von denen er sich jedoch distan­ziert. Wäh­rend­dessen aber scheint der Sohn einer ansäs­sigen Familie, der Außen­seiter Łukasz, eine ganz eigene Zunei­gung zu Adam zu ent­wi­ckeln. Mit der wach­senden Ver­traut­heit ent­spinnt sich zwi­schen den Prot­ago­nisten ein heim­li­ches Begehren, das mit dem Ein­treffen des unbe­re­chen­baren Adrian bedroht wird. Adrian ‚Blondi‘ erfasst die Situa­tion schnell und ent­puppt sich als Adams amo­ra­li­scher Gegen­part. Mit seinem Ver­halten gefährdet er die bis­lang auf­recht­erhal­tene Schein-Ase­xua­lität Adams, dem nun zuneh­mend die Fäden aus der Hand gleiten.

 

Die fil­mi­sche Umset­zung des Stoffs lässt nichts zu wün­schen übrig. Gekonnt wird die latente Span­nung insze­niert, die im Dorf vor­herrscht. Brüche werden erfahrbar, wenn scheinbar idyl­li­sche Bilder mit beun­ru­hi­gendem Ton unter­legt werden. Die Sequenzen wirken ver­streut, des­or­ga­ni­siert und fügen sich nur langsam zu einem Span­nungs­bogen zusammen. Doch auch dieser ist frag­men­ta­risch und lücken­haft. Das Gefüge von gesell­schaft­li­chem Druck und per­sön­li­chen Inter­essen spie­gelt sich in der Per­spek­tive wider: Die Kamera heftet sich scheinbar zufällig an Per­sonen und illus­triert so wir­kungs­voll die Inter­de­pen­denzen zwi­schen der Gemein­schaft und dem Indi­vi­duum, das den Gescheh­nissen oft hilflos gegen­über­steht. Der Plot wirkt fast bei­fällig und zwingt die Zuschauer immer wieder dazu, die ein­zelnen Sequenzen ernst zu nehmen. Diese fügen sich am Ende zu einem Gesamt­bild, einem uner­bitt­li­chen Dis­kurs, der den Prot­ago­nisten immer wieder den Boden unter den Füßen weg­zieht. Bei­nahe scheint es, als seien sub­jek­tive Ent­schei­dungen bloß eine Illusion.

 

Wer W imię… gesehen hat, ver­steht, wes­halb die katho­li­sche Kirche in Polen den Film zurück­weist. Die Kirche als Insti­tu­tion wird hier in ein zwie­späl­tiges Licht gerückt. So scheint sie ein Auf­fang­be­cken für Homo­se­xu­elle zu sein und Unstim­mig­keiten lieber ver­tu­schen zu wollen. Schließ­lich aber sind sie und die mit ihnen ver­knüpften Rollen vor allem eines: Fas­sade. Wie ein Arbeiter im Film tref­fend bemerkt, sind auch die Priester nur Men­schen, sobald sie aus der Sou­tane schlüpfen. Und so geht es in diesem Film mehr um Men­schen, als um die Kirche, die ledig­lich als Scha­blone und Poten­zie­rung einer nor­mierten Gesell­schaft dient. Der Glaube selbst erscheint weniger pro­ble­ma­tisch als die darauf auf­bau­ende Insti­tu­tion und Gesell­schaft. Unter beidem leidet Pater Adam ebenso wie der Junge Gajo, der selbst erste homo­se­xu­elle Kon­takte zu ver­ar­beiten hat. Eine Stunde joggen täg­lich ist der ein­zige Rat, den ihm der Priester geben kann – ein nicht uniro­ni­scher Kom­mentar zu seinen eigenen nächt­li­chen Wald­läufen. Trotz immer wieder auf­kom­mender Situa­ti­ons­komik ist der Umgang des Films mit (Homo-)Sexualität kei­nes­falls leicht­füßig. Ange­sichts der all­ge­gen­wär­tigen Homo­phobie begeht Gajo Selbst­mord und Adam ertränkt seine Sehn­süchte im Alkohol. Gegen die Angst vor der Stig­ma­ti­sie­rung hilft auch alles Beichten und Joggen nichts, die Stim­mung im pol­ni­schen Dorf ist unbarm­herzig. Obwohl Adam eigent­lich ein Sym­pa­thie­träger ist, kommen Zweifel auf, wie christ­lich sein bis­he­riges Ver­halten war. Als sich Adam im Skype-Gespräch mit seiner Schwester recht­fer­tigt, er habe doch die Jungen an seinem letzten Wir­kungsort nur umarmen wollen, bleibt ein schaler Bei­geschmack von Macht­miss­brauch und sexu­ellem Über­griff. Und auch wenn Adam sich selbst als schwul und krank, aber nicht pädo­phil bezeichnet – und damit eine typi­sche Ver­kür­zung des homo­phoben Dis­kurses tor­pe­diert – ist sein Begehren doch unver­kennbar auf die jün­gere Gene­ra­tion gerichtet. Die Schwester jedoch geht nicht darauf ein und beendet das Gespräch wegen seines betrun­kenen Zustandes vor­zeitig. Dieser geschei­terte Aus­tausch steht sym­pto­ma­tisch für die ver­hin­derte Kom­mu­ni­ka­tion. Die Gespräche im Film sind kurz und abge­hackt, neben den brüsken Zurecht­wei­sungen Michałs domi­nieren Andeu­tungen und Zwei­deu­tig­keiten – im Extrem­fall wird gebrüllt. Die ver­bale Kom­mu­ni­ka­tion wird ver­drängt durch eine Kom­mu­ni­ka­tion der Körper. Gerade dies setzt Pater Adam zu, und er ver­sucht, seinen nach Ent­fes­se­lung stre­benden Leib mit Alkohol und kör­per­li­cher Ertüch­ti­gung zu kne­beln. Auch eine Kom­mu­ni­ka­tion mit Gott findet nicht statt. Das ‚Beten‘ redu­ziert sich auf die nächt­li­chen Jog­gingaus­flüge oder einen betrun­kenen Tanz mit dem Papst­por­trait. Die Refe­renz auf Jesus Christus bleibt floskelhaft.

 

Die Hin­wen­dung zur Kör­per­lich­keit geht Hand in Hand mit der Insze­nie­rung des Dorfes. Es scheint, als sei die Zeit stehen geblieben: Schwei­gende Frauen und zurück­ge­blie­bene ‚Dorf­trottel‘, Szenen wie vor hun­dert Jahren, die lang­same und zäh­flüs­sige Rea­lität der Pro­vinz. Ein Kon­takt zwi­schen Zuge­zo­genen und Dörf­lern kommt kaum zustande – und wenn die beiden Welten auf­ein­an­der­treffen, dann knallt es. So steht auch die Zer­ris­sen­heit Adams für den Ver­such, eine hybride Iden­tität zwi­schen Tra­di­tion und Moderne her­zu­stellen. Seine betonte Jugend­lich­keit und städ­ti­schen Ver­hal­tens­weisen stehen im Kon­trast zu seiner Rolle als Priester. Prekär macht diese Kom­bi­na­tion aber erst sein Begehren bzw. eine Gesell­schaft, die dieses ver­hin­dert. Den Taumel zwi­schen den Sphären ver­deut­licht die Szene einer reli­giösen Pro­zes­sion, wäh­rend der dem Kino­pu­blikum Rock­musik der Band of Horses in den Ohren dröhnt. Noch benommen vom Alko­hol­rausch des Prot­ago­nisten am Tag zuvor, schwanken wir mit dem Umzug mit, unsere von der Sonne geblen­deten Blicke gleiten an den Figuren ab. Exem­pla­risch steht auch diese Szene für die Dumpf­heit und unklare Bestimmt­heit, dass sich so bald nichts Grund­le­gendes ändern wird in ‚Polen B’, dieser Kehr­seite des Fort­schritts und der EU-Förderung.

 

W imię… (In the Name of…), Mał­gośka Szu­mowska, PL 2012.

Bild­quelle: Marina Zvja­ginceva 2009, © Julia Zakirova.