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Kurzdichtung in Kriegszeiten als Mittel der politischen Aufklärung und des Widerstandes: Bertolt Brechts “Kriegsfibel” und aktuelle russischsprachige Antikriegslyrik

Posted on 20. September 2023 by Nune Arazyan
Auch in Diktaturen existieren Menschen, die die politischen Rhetoriken des eigenen Landes und sein Verhalten anderen Ländern gegenüber verurteilen. So wie Brecht in seiner "Kriegsfibel" das NS-Regime kritisierte, enthüllen moderne russischsprachige Antikriegsgedichte gefährliche politische Rhetoriken. Dieser Beitrag stellt zeitgenössische russische Antikriegslyrik Brechts Fotoepigrammen gegenüber - und arbeitet Gemeinsamkeiten und Unterschiede beider Kontexte heraus.

Mit Beginn des vollumfänglichen russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine hat die Weltgeschichte eine seit langem bekannte Wendung genommen: eine Diktatur konstruiert ein Bild der Überlegenheit des eigenen Volkes gegenüber anderen Völkern, schafft ein oder mehrere Feindbilder von benachbarten Ländern, legitimiert den Überfall auf diese Länder mit vermeintlicher Gutmütigkeit und führt ehrlose, menschenunwürdige Kriege, die anfangs nicht als Kriege benannt oder verharmlost werden. Auch innerhalb solcher Diktaturen existieren Menschen, die die politischen Rhetoriken des eigenen Landes und sein Verhalten anderen Ländern gegenüber verurteilen, enthüllen und Mitbürger:innen darüber aufklären, auch wenn sie damit ihre eigene Freiheit und das eigene Leben riskieren. So war es im Fall von Bertolt Brecht, der im Exil Stücke und Lyrik schrieb, die das NS-Regime und Hitlers Kriege kritisierten, wobei seine “Kriegsfibel” erst 1955 nach den langen Auseinandersetzungen mit Ämtern der DDR veröffentlicht wurde. So ist es im Fall einiger russischsprachiger Dichter:innen, die zum Teil aufgrund ihrer Verurteilung des Angriffskrieges ihr Land verlassen oder dort bleiben und gegen das Regime kämpfen, obwohl immer das Risiko besteht, wegen Landesverrats, Verbreitung von Fehlinformationen oder Diskreditierung russischer Streitkräfte verhaftet und zu einer Gefängnisstrafe von bis zu 15 Jahren verurteilt zu werden.

Die “Kriegsfibel” untersucht und hinterfragt Methoden und Rhetoriken der Massenbeeinflussung (Heukamp 1985), entsprechend Brechts Konzepten des des “eingreifenden Schreibens”, die darauf abzielen, Leser:innen zur Reflexion und dadurch zum Handeln und zur Veränderung zu bewegen (Brecht 1967). Brechts Adressat:innen sind die Nachkriegsgenerationen, denen die Verantwortung zum Handeln obliegt (Brecht 1967).

Auch die heutige russischsprachige Antikriegslyrik möchte ihre Leser:innen dazu anregen, die Lügen der Propagandamedien zu erkennen, sich über die Gräueltaten der russischen Regierung und Armee im Klaren zu sein und der Gewalt aktiv entgegenzutreten (Russian Oppositional Arts Review 2022). Dadurch, dass die meisten Texte im Internet (noch immer) frei zugänglich sind, richtet sie sich an eine breite, internationale Leserschaft, die geschlossen womöglich etwas verändern kann.

Sowohl Brechts Fotoepigramme, als auch moderne russischsprachige Antikriegsgedichte, enthüllen politische Rhetoriken, setzen sich mit den in der Gesellschaft verbreiteten kriegsassoziierten Metaphern auseinander und klären über Kriegsereignisse und daraus resultierende gesellschaftliche Umstände auf. Obwohl sie über achtzig Jahre voneinander trennen, sind sie einander sehr ähnlich. Dieser Beitrag stellt diese Kontexte einander gegenüber, untersucht und vergleicht sie.

“Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch”. Darstellung von Diktatoren und Aggressorländern

 

In Brechts Epigramm Nr. 1 und dem dazugehörigen Foto hält Hitler gestikulierend eine Rede vor unsichtbarem Publikum (Kienast 2001). Die Leser:innen werden angeregt, diese Rede aus zeitgenössischer Sicht zu betrachten, um durch die Belehrung des Epigramms einer erneuten ähnlichen politischen Entwicklung vorzubeugen. Der Mythos des selbstbestimmten, mächtigen, handelnden Führers (Kittstein 2012) wird durch die Doppeldeutigkeit von zwei literarischen Bildern enthüllt: des Weges und des Schlafes. “Der schmale Weg”, der die christliche Tugend symbolisiert und ins Paradies führt (Kienast 2001), wird in der Realität zum Weg in den Abgrund. Begleitet wird dieser Weg durch den für damalige Regierungstreue typischen Untergangspathos (“Wir werden weiter marschieren, // Wenn alles in Scherben fällt”). Bemerkenswert ist, dass der Untergangspathos auch in heutigen russischen regierungstreuen Kreisen zu finden ist, als eine sinngemäße Fortsetzung der Aussage von Vladimir Putin von 2018: “Wir werden als Märtyrer ins Paradies kommen und sie werden einfach abkratzen” (Reuters 2018). Die Formulierung “Im Schlafe” bezieht sich auf die Hervorhebung der “schlafwandlerischen Sicherheit” Hitlers in der Presse (Bohnert 1982) – dabei stammt die Formulierung (“Ich gehe mit traumwandlerischer Sicherheit den Weg, den mich die Vorsehung gehen heißt”) von ihm selbst (Domarus 1965). Durch all das wird Hitler “nicht als historisch handelnde Person, verantwortlich für sein Tun, sondern als anmaßender Schlafwandler” (Wöhrle 1997) und Irrationaler (Bohnert 1982) gezeigt, wobei seine Handlungen mehr von seinen Einflussnehmer:innen als von ihm selbst gesteuert wurden.

Mit der Bloßstellung des Diktators und des Regimes durch literarische Bilder beschäftigt sich auch das Gedicht von Ivan Stavisskij, das er auf seinem Facebook-Profil veröffentlicht hat:

Свято-саблезубая столица!

Не устала кровью веселиться?

Пропиши гулять по новым водам

Философским ржавым пароходам

И танцуй под грохот барабана

В шапито блатного балагана.

Ты ещё наплачешься, дурёха,

Как посадишь на кол скомороха...

Иван Стависский

Heilige Säbelzahnhauptstadt,

Bist du nicht müde davon, dich blutig zu amüsieren?

Schreib vor, neue Gewässer zu befahren,

Mit dem verrosteten Philosophenschiff,

Und tanz zum Donner der Trommel

Im bestechlichen Zirkus.

Dummes Ding, du wirst noch genug weinen,

Sobald du den Kasper aufspießt.

Ivan Stavisskij

In beiden Gedichten werden irreale Welten als Ausgangsumgebungen erstellt: der Schlaf und der Zirkus. Die “Kasper”-Metapher ist genauso abwertend, wie die Bloßstellung von Hitlers konstruierten Führerfigur. Während Schlaf auf die Verantwortungslosigkeit Hitlers hindeutet, impliziert der Zirkus die Absurdität und die Unmenschlichkeit des Krieges und des korrumpierten Machtapparats. Durch die Säbelzahnmetapher und die Betonung der Bestechlichkeit wird die Regierung, für die symbolisch die Hauptstadt steht, als gierig, korrupt und barbarisch dargestellt. Stavisskij äußert außerdem die Hoffnung, dass die Machthaber:innen – die für Krieg und Terror Verantwortlichen – Putin irgendwann “aufspießen” und ihre Unterstützung der Regierung sowie ihre eigenen verhängnisvollen Handlungen erkennen und bereuen werden.

Im letzten Vierzeiler der “Kriegsfibel”, der aus dem Epilog von Brechts Theaterstück “Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui” von 1941 stammt, wird Hitler bereits in eine imaginäre historische Distanz gerückt, um Aufklärung und die Aufarbeitung der Vergangenheit zu fordern – mit dem Ziel, dass eine menschenverachtende Diktatur wie diese sich in Zukunft nicht wiederholen könne. Es gilt, gefährliche politische Anmaßungen und die Bildung disinformativer Ideologien in keinem System zuzulassen. Die für die Zukunft wichtige “Erkenntnis, dass ein dritter Weltkrieg keine Sieger kennen wird” (Heukenkamp 1985), gibt das Epigramm den Leser:innen mit auf den Weg in die Zukunft, der das Potential hat, Abgründe zu vermeiden.

In vergleichbarer Weise wird das Putin-Regime in einem Gedicht von Alexei Bayer, im umfangreichen Online-Projekt “No war – poety protiv vojny" (Dichter:innen gegen den Krieg) veröffentlicht, in eine historische Perspektive gesetzt und seinerseits als Wiederholung des sowjetischen Schreckensregimes dargestellt:

Их царь — ублюдочная мразь

Чекистская висит там вонь

Где между ситцевых берез

Валялся розовый их конь

Им с дымных белых яблонь дань

Уже уплачена вдвойне

И просыпается Рязань

Сегодня по уши в войне

Алексей Байер

Ihr Zar ist ein bescheuerter Dreckskerl,

Da stinkt es nach Tscheka,

Wo unter Baumwollbirken

Ihr rosa Pferd rumgelegen hat.

Ihnen ist der Tribut von weißen, qualmigen Apfelbäumen

schon doppelt gezahlt.

Und Rjasan' wacht heute auf,

Im Krieg bis über die Ohren.

Alexei Bayer

Putin wird direkt beleidigt, ohne dies in indirekten Anspielungen zu verstecken. Die Referenz auf die Tscheka, das 1917 bis 1922 existierende Sicherheitsorgan, dessen Ziel die Beseitigung der Opposition war, weist auf offensichtliche Parallelen zur früheren Geschichte des Landes hin. Dadurch wird deutlich, dass Russland zu einer Diktatur wird, in der, wie in früheren Zeiten, Proteste und politisch unerwünschte Tätigkeiten unterdrückt werden. Die Betonung des Wortes “heute” fordert die Leser:innen zum Vergleich der geschichtlichen Ereignisse auf und verstärkt den Eindruck, dass im heutigen Russland genau das passiert ist, wovor Brecht gewarnt hat.

Schützer und heilende Zahnfüllung. Kritik an der Selbstdarstellung der Aggressorländer

 

In den Nachbemerkungen zu Brechts Epigramm Nr. 6 wird angemerkt, dass der Überfall auf Norwegen als eine Schutzmaßnahme gegen einen Angriff Englands propagiert wurde. Das Epigramm stellt den aufoktroyierten Krieg bildhaft als Kontrast zum friedlichen Land dar und kulminiert in dem Satz, der die "Verteidigungslüge" offenbart: “Der Schützer tauchte auf im Schutz der Nacht”.

Наша страна — это пушка.

Наша страна — это бомба.

Наша страна — это топ,

А вашу страну вы считаете вашей

по чьей-то ошибке огромной.

Наша страна — это бомба.

Наша страна — это пушка.

В дырке прогнившей Европы — целебная пломба,

А всё что вы видели — это превьюшка.

Brickspacer x Lado Kvataniya x Noize MC

Unser Land ist eine Kanone.

Unser Land ist eine Bombe.

Unser Land ist top,

Und euer Land bezeichnet ihr als euer wegen jemandes riesigen Fehlers.

Unser Land ist eine Bombe.

Unser Land ist eine Kanone.

Im Loch des verfaulten Europas ist es die heilende Zahnfüllung,

Und alles, was ihr gesehen habt, war eine Voraufführung.

Brickspacer x Lado Kvataniya x Noize MC

Diese Zeilen von Brickspacer, Lado Kvataniya und Noize MC, die auf einem NFT-Marktplatz auch als Musikvideo veröffentlicht wurden, um Spenden für ukrainische Geflüchtete zu sammeln, richten sich gegen eine sehr ähnliche Rhetorik von Putin, die den Angriff auf die Ukraine mit dem vermeintlichen Schutz von Donezk, Luhansk, der Krym und der dazugehörigen Bevölkerung gegen Diskriminierung sowie mit der Entnazifizierung und Demilitarisierung der Ukraine begründet hat (Putin 2022). Für den angeblichen Schutz steht die Metapher des Heilens, die Krankheit und eine Veränderungsabsicht impliziert. Geheilt werden soll das “verfaulte Europa” – eine in Russland derzeit populäre Propagandametapher –, das eine Zahnfüllung benötige. Auch diese Zeilen führen vor, dass Feindschaft und Bedrohung suggeriert werden, um so den Angriff als Schutzmaßnahme zu legitimieren.

 

Brüdermetaphorik als Äußerung der Solidarität mit und Verurteilung von Handlungen der Regierung

 

Ein durchgehendes Motiv der “Kriegsfibel” ist die Brüdermetaphorik. Je nach Epigramm werden unterschiedliche Gruppen als Brüder bezeichnet, wodurch unterschiedliche Zusammenhänge sichtbar gemacht werden.

Im Epigramm Nr. 33 nennt ein durch einen sowjetischen Soldaten getöteter deutscher Soldat dessen Kameraden resp. Volksgenossen “Brüder”, wodurch im Hinweis auf die potentielle Solidarität der unterdrückten sozialen Gruppe der Bauern die von der Führung propagierte Feind- und Gegnerschaft in Frage gestellt wird. Der einzige Feind ist die Regierung selbst, gegen den die einfache Bevölkerung aller Länder in “Bruderschaft” zusammenhalten soll.

Im Vierzeiler Nr. 60, in dem das mit Majuskeln geschriebene “ICH” die Leser:inen zur Identifikation auffordert, wird mithilfe der Brudermetapher ebenfalls die von der Propaganda suggerierte Feindschaft zwischen den Völkern als Lüge enttarnt und durchgestrichen.

Auch Epigramm Nr. 55, das mit Doppelungen sowohl im Foto als auch im Text arbeitet, kann als ein “versteckter Aufruf zu internationaler Solidarität gegen Ausbeutung und Unterdrückung” (Knopf 2001) gelesen werden. Alle Soldaten sind Brüder in dem Sinne, dass sie die Sehnsucht nach einem friedlichen, menschenwürdigen Leben verbindet (Bohnert 1982). Allein die blinde Unterwerfung unter bzw. Übernahme der Ideologie trägt Schuld an den Grausamkeiten, die einfache Menschen einander im Krieg zufügen.

Брат брату:

закрой рты-то.

Макушкой соляного столба –

немого стыда –

чувствовать всплохи взрывов,

затылком смотреть на белую землю соли,

красную землю

крови и предательства.

Не оборачиваться.

Ольга Маркитантова

Bruder zu Bruder:

schließ doch die Munde.

Mit der Spitze der Salzsäule -

der stummen Scham -

Explosionen spüren,

mit dem Genick auf die weiße Salzerde schauen,

auf die Rote Erde des Blutes und des Verrats.

Sich nicht umdrehen.

Olga Markitantova

Wie in Brechts Vierzeiler kommen auch in diesem in einer dem Angriffskrieg gewidmeten Sonderausgabe der Online-Zeitschrift “Oblaka” publizierten Gedicht der belarusischen Dichterin und Literaturwissenschaftlerin Olga Markitantova Schuld- und Schamgefühle zum Vorschein. Das Gedicht spricht Gefühle, auf die der Bruderbegriff hindeuten könnte, nur indirekt aus und suggeriert das Schweigen und die Starrheit; nur Scham und Verrat als legitime Gefühle bezüglich des Krieges werden direkt benannt. Überwiegend, unter anderem in der Poesie, ist das Streben zu beobachten, sich von Mitbürger:innen, die am Krieg beteiligt sind oder den Krieg befürworten, abzugrenzen und sie nicht als Brüder anzusprechen oder zu bemitleiden. Aktuell kommen zwei Extreme zum Ausdruck: die pauschale Verurteilung des russischen Volkes, ungeachtet etwaiger ablehnender Haltungen zum Krieg und gesellschaftspolitischen Einflussmöglichkeiten, und strikte Distanzierung von den am Krieg Beteiligten, den Krieg Befürwortenden und indirekt Mithelfenden (z.B. lokale Politiker:innen, Steuerzahler:innen). Im Kontext des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine ist die Brüdermetapher nach Brechts Vorbild verpönt. Sie wird als durch die sowjetische Ideologie kontaminiert und von ukrainischer Seite als Anmaßung gesehen, da mit der als kolonial zu bewertenden Metapher des “kleineren Bruders” jahrzehntelang Unterdrückung legitimiert wurde. Außerdem wird Belarus mit Russland assoziiert und die Bevölkerung beider Länder als am Krieg mitschuldig angesehen, weil der belarusische Präsident Alexander Lukashenka sein Land im Krieg gegen die Ukraine mitwirken lässt. Daher ist eine Benutzung der Brudermetaphorik für viele Kritiker:innen des Krieges aus Russland und Belarus moralisch unangemessen. Dieses Gedicht, in dem die Forderung nach Schweigen als Zurechtweisung des einen selbsternannten Bruders durch den anderen zu verstehen ist, erläutert diese verhängnisvolle Situation.

Kinder als potentielle Soldaten und Soldaten als Söhne

 

Das erblindete Kind auf dem Foto zu Epigramm Nr. 51 besitzt zwei Nationalitäten, eine japanische und eine amerikanische. Auf den ersten Blick besteht das Epigramm nur aus Verneinungen, die als Synekdochen für sehenswerte Bestandteile der Welt und ihre Bedeutung für jeden einzelnen Menschen stehen (Kienast 2001). Symbolisch wird in dieser Verneinungskette sowohl jedes einzelne Leben, als auch die Welt im Ganzen dargestellt. Der einzelne Mensch, der als Teil der großen Welt unbedeutend zu sein scheint, wird durch die Aufzählung dessen, was er von der Welt nie im Leben sehen wird, für Leser:innen doch sichtbar. Es wird nahegelegt, dass die nationalen, geographischen und kulturellen Grenzen überwindbar sind, wohingegen physische Beeinträchtigungen nicht rückgängig gemacht werden können und die Zukunft der Betroffenen auf Lebenszeit zerstört ist. Angesichts der Beeinträchtigung verliert es an Bedeutung, welche Nationalität das Kind hat, wessen Landes Himmel es sieht und ob es ihn im friedlichen oder kriegerischen Zustand sieht. Der Vierzeiler zeigt in der Wiederholung zugleich die “Austauschbarkeit” (Bohnert 1982) potentieller Opfer von Kriegen und, dass diese für jeden Beteiligten unvermeidbar eine persönliche Niederlage bedeuten.

Единственный твой сынок,

защитник, помощник, друг,

с вокзала придёт без ног,

обнимет тебя без рук,

наполнит стакан без дна,

без глаз оглядит подвал

и скажет: была война,

и я её проиграл.

Вера Павлова

Dein einziger Sohn,

Beschützer, Helfer, Freund,

wird vom Bahnhof ohne Beine kommen,

dich ohne Arme umarmen,

das Glas ohne Boden auffüllen,

den Keller ohne Augen betrachten

und sagen: es war ein Krieg

und ich habe ihn verloren.

Vera Pavlova

Auch das im Russian Oppositional Arts Review erschienene Kurzgedicht von Vera Pavlova basiert auf einer durchgehenden Wiederholung. Das Oxymoron wird benutzt, um in jeder Zeile Erwartungsbrüche auszulösen und desillusionierend zu wirken. Auch hier wird die Aufmerksamkeit darauf gerichtet, dass die Kriege nicht im Interesse des Volkes geführt werden und sich auf viele kleine Schicksale der Menschen dramatisch auswirken. Die letzten zwei Zeilen stellen die Pointe dieses Kurzgedichts dar und deuten darauf hin, dass man als Normalsterblicher in Kriegen nur verliert, unabhängig davon, für wen man kämpft. Das Gedicht spricht zu Soldatenmüttern und lässt sich als Appell an sie lesen, sich mit Kämpfenden auf beiden Seiten zu solidarisieren und den Krieg nicht zu bejubeln, sondern an Einzelschicksale zu denken, die sich bei ihren Söhnen (und Töchtern) wiederholen könnten.

 

“Schuldig ohne Schuld”. Soldaten als Opfer

 

Unübersehbar ist die Solidarität Brechts mit seinen Volksgenossen, die an der Front kämpfen, sei es aus unreflektierter Gehorsamkeit dem Regime gegenüber, aus Zwang oder zum Schutze der eigenen Heimat. Die Soldaten werden in vielen Epigrammen als Opfer des Willens der Machthabenden dargestellt; die Siege Deutschlands erscheinen “als Niederlagen des deutschen Volkes” (Kienast 2001). Als “willfährige Mittäter” sind Soldaten zugleich Opfer der Regierungspolitik (Heukenkamp 1985).

Mit Angst, jenem vom Regime zutiefst verachteten Gefühl, und nicht mit Heldentum oder Vaterlandsliebe (Bohnert 1982) werden die Handlungen der Piloten in Epigramm Nr. 15 begründet. Die meiste Angst vor ihnen müssen wiederum Frauen und ihre Kinder haben, die schutzloseste Gruppe der Gesellschaft.

Epigramm Nr. 30 stellt mithilfe des zugeordneten Bildes sechs Oberbefehlshaber des Dritten Reiches als “Mörder” dem Volk gegenüber. Es wird klargestellt, dass die Oberbefehlshaber keine Helden sind, sondern diejenigen, die auf Kosten von Menschenleben ihre Ziele erreicht haben. Hier wird der Heldenmythos entlarvt und gefordert, dass “wir”, “Autor und Leser” (Kienast 2001), Diktaturen zukünftig nicht mehr zulassen dürfen.

Epigramm Nr. 45, verfasst zum Foto eines Grabes, an dem der Handschuh des Bestattungsoffiziers in den Himmel weist, kehrt zum ursprünglichen Zweck des Epigramms (Didi-Hubermann 2011) – der Grabinschrift –, zurück. Das Epigramm appelliert an das allgemein bekannte Verständnis der Gerechtigkeit, für derer Gewährleistung Gott verantwortlich ist: Dementsprechend hat Gott die Morde amerikanischer Soldaten bestraft (Kienast 2001), den Verstorbenen wird aber die Bitte in den Mund gelegt, die Vorgesetzten zu bestrafen, die sie geschickt haben, um andere zu töten. Somit wird der vertraute Glaube an Gottes Bestrafung enthüllt, “um dahinter die ökonomischen Kräfte und Klassenantagonismen zu erhellen” (Grimm 1969), sowie um die Notwendigkeit der Übernahme eigener Verantwortung über Generationsgrenzen hinweg hervorzuheben. Das Epigramm zusammen mit dem Foto stellt jedoch den “Komplex eines vereinfachten Schuld- und Sühnedenkens” dar (Kienast 2001). Die Bestrafung der Vorgesetzten kann zwar den Teufelskreis der Tötungen auf eine neue Ebene heben, ihn zu brechen ist aber nur möglich, wenn die Vorgesetzten, die den Teufelskreis auch ausgelöst haben, nicht mehr zu hohen Posten zugelassen werden. Der Tod und der Bruch des Vertrauens auf Gottes Bestrafung fungiert in diesem Epigramm als “Aufforderung zur Revolution” (Bohnert 1982) und zur Eigenverantwortung.

Die auf dem Foto zum Epigramm Nr. 64 gezeigten Soldaten sind nicht nur erschöpft vom Kämpfen, sondern vom Leben (Kienast 2001), das oft durch “kämpfen” metaphorisiert wird. Sie – und diese vier Soldaten stehen pars pro toto für die gesamte Wehrmacht (Bohnert 1982) – haben den Kampf um das eigene Leben, eigene Ziele und eigenen Wohlstand für das Kämpfen für die NS-Ideologie geopfert – und sind zu Mitteln in den Händen der Vorgesetzten geworden. Gleichzeitig äußert es die Hoffnung, dass die Welt im Kreis von Entstehen und Erlöschen des Lebens etwas Neues und Besseres schafft, wenn das Alte untergeht (Kienast 2001). Für das Neue, das Zukünftige, wird, wie auch andere Epigramme deutlich machen, die Initiative und die Eigenverantwortung der Nachfahren benötigt.

Man kann die Epigramme Brechts auch als Engführung zweier parallel geführter Kriege interpretieren: des äußeren Kriegs gegen die Sowjetunion und die Westalliierten und des inneren Kriegs gegen das deutsche Volk (Knopf 2001). Einerseits macht Brecht die Opferrolle der in den Krieg involvierten Bürger:innen des Aggressorlandes sichtbar, andererseits stellt er “den Krieg als katastrophale Folge zu geringen Widerstands in großen Teilen der Welt” (Heukenkamp 1985) dar, was einander widerspricht und weitere Fragen aufwirft. In vielen Epigrammen lässt sich aber auch der Aufruf an die Nachkriegsgenerationen erkennen, ähnlichen politischen Entwicklungen vorzubeugen.

Oбнуление народа

Разрисует узорами мартовский снег

Юных воинов кровь, без вины виноватых.

Повелел их на мясо пустить “человек”.

Был великий народ – стал великий каратель.

Мы идём через ноль. Мы идём через смерть.

Тот, кто это вершит, душу дьяволу продал.

Этой глупой войне оправдания нет.

Обнуленье страны, обнуленье народа…

Мария Волощук

Annullierung des Volkes

Es wird der Märzschnee mit Mustern bemalt

Vom Blut junger Kämpfer, schuldig ohne Schuld.

Ein “Mensch” hat befohlen, sie zur Schlachtung zu schicken.

Es war ein großes Volk – es wurde zum großen Bestrafer.

Wir gehen durch null. Wir gehen durch den Tod.

Alle, die es begehen, haben die Seele dem Teufel verkauft.

Dieser blöde Krieg hat keine Rechtfertigung.

Annullierung des Landes, Annullierung des Volkes…

Mariya Vološčuk

Im Gedicht von Marija Vološčuk aus dem Online-Projekt “No war – poety protiv vojny” wird ähnlich wie bei Brecht betont, dass die Soldaten sich schuldig machen, ohne eine eigene Entscheidung getroffen zu haben. Zwischen Soldaten und Regierung bzw. Vorgesetzten wird auch hier differenziert, mehr noch, die Machthabenden und Vorgesetzten werden durch die Verwendung des Wortes “Mensch” in Anführungszeichen entmenschlicht. Das Volk als Gemeinschaft, die durch das gemeinsame Leiden unter dem Regime des eigenen Landes zusammengehalten wird und dennoch ein Mittel für verbrecherische Kriege der Staatsoberhäupter sein kann, wird entwertet: Das Recht des Volkes, auf seine Kultur und Geschichte stolz zu sein, wird ihm seit Kriegsbeginn verwehrt. Zudem wird angedeutet, dass Menschen, die sich aktiv am Krieg beteiligen, eine Wahl haben und diese, wenn sie moralische Grundsätze dafür opfern, auch getroffen haben. Ähnlich wie bei Brecht wird hier die Geburt einer neuen Generation beschrieben, deren Potential es besser zu machen. Durch das massenhafte Sterben im Zuge des Krieges wird die Annulierung herbeigeführt: Das russische Volk muss von null anfangen, um sein Ansehen und seinen Platz in der Weltgemeinschaft wiederzuerlangen.

Die russische Lyrik konzentriert sich tendenziell auf Scham, Schuld, Unverzeihlichkeit und das Verfluchen von Machthabenden. Nur zwei der in dieser Arbeit behandelten russischsprachigen Gedichte sehen Soldaten – egal, an welcher Seite sie kämpfen, – als Opfer.

 

Russischsprachige Antikriegslyrik – eine weitere "Kriegsfibel" mit einem besseren Lerneffekt?

 

Durch die Diskrepanz zwischen ästhetischer Darstellung der Kampfhandlungen und dem Grauen des Krieges in Bildern, zwischen Nähe und Distanz, sollten Leser:innen durch Brechts “Kriegsfibel” dazu bewogen werden, sich mit dem Krieg auseinanderzusetzen und politische Verantwortung zu übernehmen (Solte-Gresser 2011). Jedes Fotoepigramm stellt ein “Produktions-Protokoll” (Kienast 2001) dar, in dem das Bild und die geschichtlichen Ereignisse erst durch die Beschreibung und darauffolgende Analyse eine allgemein gültige Aussage bekommen. Die Geschichte wird dadurch für Leser:innen als Erfahrungs- und Deutungsprozess und nicht als Reihe von Fakten zugänglich gemacht (Kienast 2001). Brecht macht deutlich, dass die Vermeidung von Kriegen ohne die – widerständige – Tätigkeit Einzelner unmöglich ist (Heukenkamp 1985). Die in der Arbeit behandelte russischsprachige Kurzlyrik hingegen stellt fest, dass die Anzahl dieser Einzelnen bislang nicht ausgereicht, um eine ähnliche politische Entwicklung zu vermeiden. Mithilfe einer mit den Brecht'schen Epigrammen vergleichbaren Topik prophezeien die neuen russischsprachigen Gedichte eine historische Schuld, die eine lange Aufarbeitung benötigen wird, und geben Emotionen und Gedanken Ausdruck, die nach Ausweitung des Krieges ausgesprochen werden mussten. Zukünftig werden diese Gedichte, genau wie Brechts Epigramme, Zeugnisse sein für eine Situation, in der man – wieder einmal – das Lernen lernen und die Mitverantwortung für die Zukunft der Gesellschaft übernehmen muss.

Anmerkung zur deutschen Übertragung: Alle Übersetzungen russischer Antikriegsgedichte ins Deutsche wurden von Nune Arazyan angefertigt. Orthographie und Interpunktion von Originalgedichten wurden übernommen.

 

Primärliteratur:

Bayer, Alexei: Ih car' — ubljudočnaja mras' , URL: https://nowarpoetry.com/authors/alexei-bayer/ (letzter Zugriff: 03.09.2022).

Brecht, Bertolt: Kriegsfibel. Hg. von Berlau, Ruth. Frankfurt am Main 1978.

Brickspacer; Lado Kvataniya; Noize MC: Fake Video. SuperRare, 24.06.2022, URL: https://superrare.com/0xb932a70a57673d89f4acffbe830e8ed7f75fb9e0/fake-video-35517 (letzter Zugriff: 04.09.2022).

Markitantova, Olga: Brat bratu . In: Oblaka, URL: https://www.oblaka.ee/journal-new-clouds/ukraina-solidarnost/поэты-разных-стран-антивоенные-стихи/ (letzter Zugriff: 05.09.2022).

Pavlova, Vera: Edinstvennyj tvoj synok . In: Russian Oppositional Arts Review, 2. Ausgabe, 24.06.2022, URL: https://roar-review.com/94d1da5396a24841a9df42e8d7e74da2 (letzter Zugriff: 06.09.2022).

Stavisskij, Ivan: Svjato-sablezubaja stolica!! . Facebook-Post, 01.07.2022, URL: https://www.facebook.com/stavisskij/posts/pfbid0q5aZvLvt7QWbjXz26XvRAT6ywV4ukZQfswfEr1waFHGxbtmaWeJzmLiU35NriPvHl (letzter Zugriff: 03.09.2022).

Vološčuk, Marija: Obnulenije naroda . In: No War Poetry, URL: https://nowarpoetry.com/authors/mariya-voloschuk/ (letzter Zugriff: 07.09.2022).

 

Sekundärliteratur:

Bohnert, Christiane: Brechts Lyrik im Kontext. Zyklen des Exils. Königstein/Taunus 1982.

Brecht, Bertolt: Notizen zur Philosophie 1929-1941. In: Hauptmann, Elisabeth (Hg.): Bertolt Brecht. Gesammelte Werke. Schriften zur Politik und Gesellschaft. Bd. 20, Frankfurt am Main 1967.

Didi-Hubermann, Georges: Wenn die Bilder Position beziehen. München 2011.

Domarus, Max: Hitler. Reden und Proklamationen 1932-1945. Kommentiert von einem deutschen Zeitgenossen. Band I: Triumph. Zweiter Halbband: 1935-1938. München 1965.

Grimm, Reinhold: Marxistische Emblematik. Zu Bertolt Brechts “Kriegsfibel”. In: von Heydebrand, Renate; Just, Klaus Günther (Hg.): Wissenschaft als Dialog. Studien zur Literatur und Kunst seit der Jahrhundertwende. Stuttgart 1969.

Heukenkamp, Ursula: Den Krieg von unten ansehen. Über das Bild des zweiten Weltkrieges in Bertolt Brechts “Kriegsfibel”. In: Weimarer Beiträge, Bd. 31. Berlin/Weimar 1985.

Kienast, Welf: Kriegsfibelmodell. Autorschaft und “kollektiver Schöpfungsprozess” in Brechts “Kriegsfibel”. Göttingen 2001.

Kittstein, Ulrich: Das Lyrische Werk Bertolt Brechts. Stuttgart 2012.

Knopf, Jan: Brecht-Handbuch. 2, Gedichte. Stuttgart 2001.

Solte-Gresser, Christiane: Textbilder und Bildtexte im Angesicht des Unsagbaren. Autopoetische Dimensionen in Brechts Fotoepigrammen, Spiegelmans “Comix” und Herta Müllers Gedichtcollagen. In: Hölte, Achim (Hg.): Comparative Arts. Universelle Ästhetik im Fokus der Vergleichenden Literaturwissenschaft, Heidelberg 2011.

Wöhrle, Dieter: Von der Notwendigkeit einer “Kunst der Betrachtung”: Bertolt Brechts “Kriegsfibel” und die Gestaltung von Text-Bild-Beziehungen. In: Hecht, Werner (Hg.): Alles was Brecht ist ... : Fakten - Kommentare - Meinungen - Bilder. Frankfurt am Main 1997.

 

Weiterführende Links:

Russian Oppositional Arts Review. URL: https://roar-review.com/About-ROAR-a00d35f461bd4bd48f2d0d1502b0e93e (letzter Zugriff: 22.08.2023).

Reuters: “Aggressors Will Be Annihilated,We Will Go to Heaven as Martyrs”, Putin Says. In: The Moscow Times, 19.10.2018, URL: https://www.themoscowtimes.com/2018/10/19/aggressors-will-be-annihilated-we-will-go-to-heaven-as-martyrs-putin-says-a63235 (letzter Zugriff: 17.09.2022).

Die transkribierte Rede von Putin über die Gründe der sogenannten “Sondermilitäroperation” siehe hier: o. A.: Путин объявил о начале военной операции в Донбассе. Вот расшифровка его речи. In: Paperpaper.ru, 24.02.2022, URL: https://paperpaper.ru/putin-obyavil-o-nachale-voennoj-operac/ (letzter Zugriff: 17.09.2022).

Kurzdichtung in Kriegszeiten als Mittel der politischen Aufklärung und des Widerstandes: Bertolt Brechts “Kriegsfibel” und aktuelle russischsprachige Antikriegslyrik - novinki
Redak­tion „novinki“

Hum­boldt-Uni­ver­sität zu Berlin
Sprach- und lite­ra­tur­wis­sen­schaft­liche Fakultät
Institut für Slawistik
Unter den Linden 6
10099 Berlin

Kurz­dich­tung in Kriegs­zeiten als Mittel der poli­ti­schen Auf­klä­rung und des Wider­standes: Ber­tolt Brechts “Kriegs­fibel” und aktu­elle rus­sisch­spra­chige Antikriegslyrik

Mit Beginn des voll­um­fäng­li­chen rus­si­schen Angriffs­krieges gegen die Ukraine hat die Welt­ge­schichte eine seit langem bekannte Wen­dung genommen: eine Dik­tatur kon­stru­iert ein Bild der Über­le­gen­heit des eigenen Volkes gegen­über anderen Völ­kern, schafft ein oder meh­rere Feind­bilder von benach­barten Län­dern, legi­ti­miert den Über­fall auf diese Länder mit ver­meint­li­cher Gut­mü­tig­keit und führt ehr­lose, men­schen­un­wür­dige Kriege, die anfangs nicht als Kriege benannt oder ver­harm­lost werden. Auch inner­halb sol­cher Dik­ta­turen exis­tieren Men­schen, die die poli­ti­schen Rhe­to­riken des eigenen Landes und sein Ver­halten anderen Län­dern gegen­über ver­ur­teilen, ent­hüllen und Mitbürger:innen dar­über auf­klären, auch wenn sie damit ihre eigene Frei­heit und das eigene Leben ris­kieren. So war es im Fall von Ber­tolt Brecht, der im Exil Stücke und Lyrik schrieb, die das NS-Regime und Hit­lers Kriege kri­ti­sierten, wobei seine “Kriegs­fibel” erst 1955 nach den langen Aus­ein­an­der­set­zungen mit Ämtern der DDR ver­öf­fent­licht wurde. So ist es im Fall einiger rus­sisch­spra­chiger Dichter:innen, die zum Teil auf­grund ihrer Ver­ur­tei­lung des Angriffs­krieges ihr Land ver­lassen oder dort bleiben und gegen das Regime kämpfen, obwohl immer das Risiko besteht, wegen Lan­des­ver­rats, Ver­brei­tung von Fehl­in­for­ma­tionen oder Dis­kre­di­tie­rung rus­si­scher Streit­kräfte ver­haftet und zu einer Gefäng­nis­strafe von bis zu 15 Jahren ver­ur­teilt zu werden.

Die “Kriegs­fibel” unter­sucht und hin­ter­fragt Methoden und Rhe­to­riken der Mas­sen­be­ein­flus­sung (Heu­kamp 1985), ent­spre­chend Brechts Kon­zepten des des “ein­grei­fenden Schrei­bens”, die darauf abzielen, Leser:innen zur Refle­xion und dadurch zum Han­deln und zur Ver­än­de­rung zu bewegen (Brecht 1967). Brechts Adressat:innen sind die Nach­kriegs­ge­nera­tionen, denen die Ver­ant­wor­tung zum Han­deln obliegt (Brecht 1967).

Auch die heu­tige rus­sisch­spra­chige Anti­kriegs­lyrik möchte ihre Leser:innen dazu anregen, die Lügen der Pro­pa­gan­da­me­dien zu erkennen, sich über die Gräu­el­taten der rus­si­schen Regie­rung und Armee im Klaren zu sein und der Gewalt aktiv ent­ge­gen­zu­treten (Rus­sian Oppo­si­tional Arts Review 2022). Dadurch, dass die meisten Texte im Internet (noch immer) frei zugäng­lich sind, richtet sie sich an eine breite, inter­na­tio­nale Leser­schaft, die geschlossen womög­lich etwas ver­än­dern kann.

Sowohl Brechts Foto­epi­gramme, als auch moderne rus­sisch­spra­chige Anti­kriegs­ge­dichte, ent­hüllen poli­ti­sche Rhe­to­riken, setzen sich mit den in der Gesell­schaft ver­brei­teten kriegs­as­so­zi­ierten Meta­phern aus­ein­ander und klären über Kriegs­er­eig­nisse und daraus resul­tie­rende gesell­schaft­liche Umstände auf. Obwohl sie über achtzig Jahre von­ein­ander trennen, sind sie ein­ander sehr ähn­lich. Dieser Bei­trag stellt diese Kon­texte ein­ander gegen­über, unter­sucht und ver­gleicht sie.

“Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch”. Dar­stel­lung von Dik­ta­toren und Aggressorländern

 

In Brechts Epi­gramm Nr. 1 und dem dazu­ge­hö­rigen Foto hält Hitler ges­ti­ku­lie­rend eine Rede vor unsicht­barem Publikum (Kienast 2001). Die Leser:innen werden ange­regt, diese Rede aus zeit­ge­nös­si­scher Sicht zu betrachten, um durch die Beleh­rung des Epi­gramms einer erneuten ähn­li­chen poli­ti­schen Ent­wick­lung vor­zu­beugen. Der Mythos des selbst­be­stimmten, mäch­tigen, han­delnden Füh­rers (Kitt­stein 2012) wird durch die Dop­pel­deu­tig­keit von zwei lite­ra­ri­schen Bil­dern ent­hüllt: des Weges und des Schlafes. “Der schmale Weg”, der die christ­liche Tugend sym­bo­li­siert und ins Para­dies führt (Kienast 2001), wird in der Rea­lität zum Weg in den Abgrund. Begleitet wird dieser Weg durch den für dama­lige Regie­rungs­treue typi­schen Unter­gangs­pa­thos (“Wir werden weiter mar­schieren, // Wenn alles in Scherben fällt”). Bemer­kens­wert ist, dass der Unter­gangs­pa­thos auch in heu­tigen rus­si­schen regie­rungs­treuen Kreisen zu finden ist, als eine sinn­ge­mäße Fort­set­zung der Aus­sage von Vla­dimir Putin von 2018: “Wir werden als Mär­tyrer ins Para­dies kommen und sie werden ein­fach abkratzen” (Reu­ters 2018). Die For­mu­lie­rung “Im Schlafe” bezieht sich auf die Her­vor­he­bung der “schlaf­wand­le­ri­schen Sicher­heit” Hit­lers in der Presse (Boh­nert 1982) – dabei stammt die For­mu­lie­rung (“Ich gehe mit traum­wand­le­ri­scher Sicher­heit den Weg, den mich die Vor­se­hung gehen heißt”) von ihm selbst (Domarus 1965). Durch all das wird Hitler “nicht als his­to­risch han­delnde Person, ver­ant­wort­lich für sein Tun, son­dern als anma­ßender Schlaf­wandler” (Wöhrle 1997) und Irra­tio­naler (Boh­nert 1982) gezeigt, wobei seine Hand­lungen mehr von seinen Einflussnehmer:innen als von ihm selbst gesteuert wurden.

Mit der Bloß­stel­lung des Dik­ta­tors und des Regimes durch lite­ra­ri­sche Bilder beschäf­tigt sich auch das Gedicht von Ivan Sta­visskij, das er auf seinem Face­book-Profil ver­öf­fent­licht hat:

Свято-саблезубая столица!

Не устала кровью веселиться?

Пропиши гулять по новым водам

Философским ржавым пароходам

И танцуй под грохот барабана

В шапито блатного балагана.

Ты ещё наплачешься, дурёха,

Как посадишь на кол скомороха…

Иван Стависский

Hei­lige Säbelzahnhauptstadt,

Bist du nicht müde davon, dich blutig zu amü­sieren?

Schreib vor, neue Gewässer zu befahren,

Mit dem ver­ros­teten Philosophenschiff,

Und tanz zum Donner der Trommel

Im bestech­li­chen Zirkus.

Dummes Ding, du wirst noch genug weinen,

Sobald du den Kasper aufspießt.

Ivan Sta­visskij

In beiden Gedichten werden irreale Welten als Aus­gangs­um­ge­bungen erstellt: der Schlaf und der Zirkus. Die “Kasper”-Metapher ist genauso abwer­tend, wie die Bloß­stel­lung von Hit­lers kon­stru­ierten Füh­rer­figur. Wäh­rend Schlaf auf die Ver­ant­wor­tungs­lo­sig­keit Hit­lers hin­deutet, impli­ziert der Zirkus die Absur­dität und die Unmensch­lich­keit des Krieges und des kor­rum­pierten Macht­ap­pa­rats. Durch die Säbel­zahn­me­ta­pher und die Beto­nung der Bestech­lich­keit wird die Regie­rung, für die sym­bo­lisch die Haupt­stadt steht, als gierig, kor­rupt und bar­ba­risch dar­ge­stellt. Sta­visskij äußert außerdem die Hoff­nung, dass die Machthaber:innen – die für Krieg und Terror Ver­ant­wort­li­chen – Putin irgend­wann “auf­spießen” und ihre Unter­stüt­zung der Regie­rung sowie ihre eigenen ver­häng­nis­vollen Hand­lungen erkennen und bereuen werden.

Im letzten Vier­zeiler der “Kriegs­fibel”, der aus dem Epilog von Brechts Thea­ter­stück “Der auf­halt­same Auf­stieg des Arturo Ui” von 1941 stammt, wird Hitler bereits in eine ima­gi­näre his­to­ri­sche Distanz gerückt, um Auf­klä­rung und die Auf­ar­bei­tung der Ver­gan­gen­heit zu for­dern – mit dem Ziel, dass eine men­schen­ver­ach­tende Dik­tatur wie diese sich in Zukunft nicht wie­der­holen könne. Es gilt, gefähr­liche poli­ti­sche Anma­ßungen und die Bil­dung dis­in­for­ma­tiver Ideo­lo­gien in keinem System zuzu­lassen. Die für die Zukunft wich­tige “Erkenntnis, dass ein dritter Welt­krieg keine Sieger kennen wird” (Heu­ken­kamp 1985), gibt das Epi­gramm den Leser:innen mit auf den Weg in die Zukunft, der das Poten­tial hat, Abgründe zu vermeiden.

In ver­gleich­barer Weise wird das Putin-Regime in einem Gedicht von Alexei Bayer, im umfang­rei­chen Online-Pro­jekt “No war – poety protiv vojny” (Dichter:innen gegen den Krieg) ver­öf­fent­licht, in eine his­to­ri­sche Per­spek­tive gesetzt und sei­ner­seits als Wie­der­ho­lung des sowje­ti­schen Schre­ckens­re­gimes dargestellt:

Их царь — ублюдочная мразь

Чекистская висит там вонь

Где между ситцевых берез

Валялся розовый их конь

Им с дымных белых яблонь дань

Уже уплачена вдвойне

И просыпается Рязань

Сегодня по уши в войне

Алексей Байер

Ihr Zar ist ein bescheu­erter Dreckskerl,

Da stinkt es nach Tscheka,

Wo unter Baumwollbirken

Ihr rosa Pferd rum­ge­legen hat.

Ihnen ist der Tribut von weißen, qual­migen Apfel­bäumen

schon dop­pelt gezahlt.

Und Rjasan’ wacht heute auf,

Im Krieg bis über die Ohren.

Alexei Bayer

Putin wird direkt belei­digt, ohne dies in indi­rekten Anspie­lungen zu ver­ste­cken. Die Refe­renz auf die Tscheka, das 1917 bis 1922 exis­tie­rende Sicher­heits­organ, dessen Ziel die Besei­ti­gung der Oppo­si­tion war, weist auf offen­sicht­liche Par­al­lelen zur frü­heren Geschichte des Landes hin. Dadurch wird deut­lich, dass Russ­land zu einer Dik­tatur wird, in der, wie in frü­heren Zeiten, Pro­teste und poli­tisch uner­wünschte Tätig­keiten unter­drückt werden. Die Beto­nung des Wortes “heute” for­dert die Leser:innen zum Ver­gleich der geschicht­li­chen Ereig­nisse auf und ver­stärkt den Ein­druck, dass im heu­tigen Russ­land genau das pas­siert ist, wovor Brecht gewarnt hat.

Schützer und hei­lende Zahn­fül­lung. Kritik an der Selbst­dar­stel­lung der Aggressorländer

 

In den Nach­be­mer­kungen zu Brechts Epi­gramm Nr. 6 wird ange­merkt, dass der Über­fall auf Nor­wegen als eine Schutz­maß­nahme gegen einen Angriff Eng­lands pro­pa­giert wurde. Das Epi­gramm stellt den auf­ok­troy­ierten Krieg bild­haft als Kon­trast zum fried­li­chen Land dar und kul­mi­niert in dem Satz, der die “Ver­tei­di­gungs­lüge” offen­bart: “Der Schützer tauchte auf im Schutz der Nacht”.

Наша страна — это пушка.

Наша страна — это бомба.

Наша страна — это топ,

А вашу страну вы считаете вашей

по чьей-то ошибке огромной.

Наша страна — это бомба.

Наша страна — это пушка.

В дырке прогнившей Европы — целебная пломба,

А всё что вы видели — это превьюшка.

Brick­spacer x Lado Kvataniya x Noize MC

Unser Land ist eine Kanone.

Unser Land ist eine Bombe.

Unser Land ist top,

Und euer Land bezeichnet ihr als euer wegen jemandes rie­sigen Fehlers.

Unser Land ist eine Bombe.

Unser Land ist eine Kanone.

Im Loch des ver­faulten Europas ist es die hei­lende Zahnfüllung,

Und alles, was ihr gesehen habt, war eine Voraufführung.

Brick­spacer x Lado Kvataniya x Noize MC

Diese Zeilen von Brick­spacer, Lado Kvataniya und Noize MC, die auf einem NFT-Markt­platz auch als Musik­video ver­öf­fent­licht wurden, um Spenden für ukrai­ni­sche Geflüch­tete zu sam­meln, richten sich gegen eine sehr ähn­liche Rhe­torik von Putin, die den Angriff auf die Ukraine mit dem ver­meint­li­chen Schutz von Donezk, Luhansk, der Krym und der dazu­ge­hö­rigen Bevöl­ke­rung gegen Dis­kri­mi­nie­rung sowie mit der Ent­na­zi­fi­zie­rung und Demi­li­ta­ri­sie­rung der Ukraine begründet hat (Putin 2022). Für den angeb­li­chen Schutz steht die Meta­pher des Hei­lens, die Krank­heit und eine Ver­än­de­rungs­ab­sicht impli­ziert. Geheilt werden soll das “ver­faulte Europa” – eine in Russ­land der­zeit popu­läre Pro­pa­gan­da­me­ta­pher –, das eine Zahn­fül­lung benö­tige. Auch diese Zeilen führen vor, dass Feind­schaft und Bedro­hung sug­ge­riert werden, um so den Angriff als Schutz­maß­nahme zu legitimieren.

 

Brü­der­me­ta­phorik als Äuße­rung der Soli­da­rität mit und Ver­ur­tei­lung von Hand­lungen der Regierung

 

Ein durch­ge­hendes Motiv der [Anti-]“Kriegsfibel” ist die Brü­der­me­ta­phorik. Je nach Epi­gramm werden unter­schied­liche Gruppen als Brüder bezeichnet, wodurch unter­schied­liche Zusam­men­hänge sichtbar gemacht werden.

Im Epi­gramm Nr. 33 nennt ein durch einen sowje­ti­schen Sol­daten getö­teter deut­scher Soldat dessen Kame­raden resp. Volks­ge­nossen “Brüder”, wodurch im Hin­weis auf die poten­ti­elle Soli­da­rität der unter­drückten sozialen Gruppe der Bauern die von der Füh­rung pro­pa­gierte Feind- und Geg­ner­schaft in Frage gestellt wird. Der ein­zige Feind ist die Regie­rung selbst, gegen den die ein­fache Bevöl­ke­rung aller Länder in “Bru­der­schaft” zusam­men­halten soll.

Im Vier­zeiler Nr. 60, in dem das mit Majus­keln geschrie­bene “ICH” die Leser:inen zur Iden­ti­fi­ka­tion auf­for­dert, wird mit­hilfe der Bru­der­me­ta­pher eben­falls die von der Pro­pa­ganda sug­ge­rierte Feind­schaft zwi­schen den Völ­kern als Lüge ent­tarnt und durchgestrichen.

Auch Epi­gramm Nr. 55, das mit Dop­pe­lungen sowohl im Foto als auch im Text arbeitet, kann als ein “ver­steckter Aufruf zu inter­na­tio­naler Soli­da­rität gegen Aus­beu­tung und Unter­drü­ckung” (Knopf 2001) gelesen werden. Alle Sol­daten sind Brüder in dem Sinne, dass sie die Sehn­sucht nach einem fried­li­chen, men­schen­wür­digen Leben ver­bindet (Boh­nert 1982). Allein die blinde Unter­wer­fung unter bzw. Über­nahme der Ideo­logie trägt Schuld an den Grau­sam­keiten, die ein­fache Men­schen ein­ander im Krieg zufügen.

Брат брату:

закрой рты-то.

Макушкой соляного столба –

немого стыда –

чувствовать всплохи взрывов,

затылком смотреть на белую землю соли,

красную землю

крови и предательства.

Не оборачиваться.

Ольга Маркитантова

Bruder zu Bruder:

schließ doch die Munde.

Mit der Spitze der Salzsäule -

der stummen Scham -

Explo­sionen spüren,

mit dem Genick auf die weiße Salzerde schauen,

auf die Rote Erde des Blutes und des Verrats.

Sich nicht umdrehen.

Olga Mar­ki­tan­tova

Wie in Brechts Vier­zeiler kommen auch in diesem in einer dem Angriffs­krieg gewid­meten Son­der­aus­gabe der Online-Zeit­schrift “Oblaka” publi­zierten Gedicht der bela­ru­si­schen Dich­terin und Lite­ra­tur­wis­sen­schaft­lerin Olga Mar­ki­tan­tova Schuld- und Scham­ge­fühle zum Vor­schein. Das Gedicht spricht Gefühle, auf die der Bru­der­be­griff hin­deuten könnte, nur indi­rekt aus und sug­ge­riert das Schweigen und die Starr­heit; nur Scham und Verrat als legi­time Gefühle bezüg­lich des Krieges werden direkt benannt. Über­wie­gend, unter anderem in der Poesie, ist das Streben zu beob­achten, sich von Mitbürger:innen, die am Krieg betei­ligt sind oder den Krieg befür­worten, abzu­grenzen und sie nicht als Brüder anzu­spre­chen oder zu bemit­leiden. Aktuell kommen zwei Extreme zum Aus­druck: die pau­schale Ver­ur­tei­lung des rus­si­schen Volkes, unge­achtet etwa­iger ableh­nender Hal­tungen zum Krieg und gesell­schafts­po­li­ti­schen Ein­fluss­mög­lich­keiten, und strikte Distan­zie­rung von den am Krieg Betei­ligten, den Krieg Befür­wor­tenden und indi­rekt Mit­hel­fenden (z.B. lokale Politiker:innen, Steuerzahler:innen). Im Kon­text des rus­si­schen Angriffs­kriegs gegen die Ukraine ist die Brü­der­me­ta­pher nach Brechts Vor­bild ver­pönt. Sie wird als durch die sowje­ti­sche Ideo­logie kon­ta­mi­niert und von ukrai­ni­scher Seite als Anma­ßung gesehen, da mit der als kolo­nial zu bewer­tenden Meta­pher des “klei­neren Bru­ders” jahr­zehn­te­lang Unter­drü­ckung legi­ti­miert wurde. Außerdem wird Belarus mit Russ­land asso­zi­iert und die Bevöl­ke­rung beider Länder als am Krieg mit­schuldig ange­sehen, weil der bela­ru­si­sche Prä­si­dent Alex­ander Luka­shenka sein Land im Krieg gegen die Ukraine mit­wirken lässt. Daher ist eine Benut­zung der Bru­der­me­ta­phorik für viele Kritiker:innen des Krieges aus Russ­land und Belarus mora­lisch unan­ge­messen. Dieses Gedicht, in dem die For­de­rung nach Schweigen als Zurecht­wei­sung des einen selbst­er­nannten Bru­ders durch den anderen zu ver­stehen ist, erläu­tert diese ver­häng­nis­volle Situation.

Kinder als poten­ti­elle Sol­daten und Sol­daten als Söhne

 

Das erblin­dete Kind auf dem Foto zu Epi­gramm Nr. 51 besitzt zwei Natio­na­li­täten, eine japa­ni­sche und eine ame­ri­ka­ni­sche. Auf den ersten Blick besteht das Epi­gramm nur aus Ver­nei­nungen, die als Syn­ek­dochen für sehens­werte Bestand­teile der Welt und ihre Bedeu­tung für jeden ein­zelnen Men­schen stehen (Kienast 2001). Sym­bo­lisch wird in dieser Ver­nei­nungs­kette sowohl jedes ein­zelne Leben, als auch die Welt im Ganzen dar­ge­stellt. Der ein­zelne Mensch, der als Teil der großen Welt unbe­deu­tend zu sein scheint, wird durch die Auf­zäh­lung dessen, was er von der Welt nie im Leben sehen wird, für Leser:innen doch sichtbar. Es wird nahe­ge­legt, dass die natio­nalen, geo­gra­phi­schen und kul­tu­rellen Grenzen über­windbar sind, wohin­gegen phy­si­sche Beein­träch­ti­gungen nicht rück­gängig gemacht werden können und die Zukunft der Betrof­fenen auf Lebens­zeit zer­stört ist. Ange­sichts der Beein­träch­ti­gung ver­liert es an Bedeu­tung, welche Natio­na­lität das Kind hat, wessen Landes Himmel es sieht und ob es ihn im fried­li­chen oder krie­ge­ri­schen Zustand sieht. Der Vier­zeiler zeigt in der Wie­der­ho­lung zugleich die “Aus­tausch­bar­keit” (Boh­nert 1982) poten­ti­eller Opfer von Kriegen und, dass diese für jeden Betei­ligten unver­meidbar eine per­sön­liche Nie­der­lage bedeuten.

Единственный твой сынок,

защитник, помощник, друг,

с вокзала придёт без ног,

обнимет тебя без рук,

наполнит стакан без дна,

без глаз оглядит подвал

и скажет: была война,

и я её проиграл.

Вера Павлова

Dein ein­ziger Sohn,

Beschützer, Helfer, Freund,

wird vom Bahnhof ohne Beine kommen,

dich ohne Arme umarmen,

das Glas ohne Boden auffüllen,

den Keller ohne Augen betrachten

und sagen: es war ein Krieg

und ich habe ihn verloren.

Vera Pav­lova

Auch das im Rus­sian Oppo­si­tional Arts Review erschie­nene Kurz­ge­dicht von Vera Pav­lova basiert auf einer durch­ge­henden Wie­der­ho­lung. Das Oxy­moron wird benutzt, um in jeder Zeile Erwar­tungs­brüche aus­zu­lösen und des­il­lu­sio­nie­rend zu wirken. Auch hier wird die Auf­merk­sam­keit darauf gerichtet, dass die Kriege nicht im Inter­esse des Volkes geführt werden und sich auf viele kleine Schick­sale der Men­schen dra­ma­tisch aus­wirken. Die letzten zwei Zeilen stellen die Pointe dieses Kurz­ge­dichts dar und deuten darauf hin, dass man als Nor­mal­sterb­li­cher in Kriegen nur ver­liert, unab­hängig davon, für wen man kämpft. Das Gedicht spricht zu Sol­da­ten­müt­tern und lässt sich als Appell an sie lesen, sich mit Kämp­fenden auf beiden Seiten zu soli­da­ri­sieren und den Krieg nicht zu beju­beln, son­dern an Ein­zel­schick­sale zu denken, die sich bei ihren Söhnen (und Töch­tern) wie­der­holen könnten.

 

“Schuldig ohne Schuld”. Sol­daten als Opfer

 

Unüber­sehbar ist die Soli­da­rität Brechts mit seinen Volks­ge­nossen, die an der Front kämpfen, sei es aus unre­flek­tierter Gehor­sam­keit dem Regime gegen­über, aus Zwang oder zum Schutze der eigenen Heimat. Die Sol­daten werden in vielen Epi­grammen als Opfer des Wil­lens der Macht­ha­benden dar­ge­stellt; die Siege Deutsch­lands erscheinen “als Nie­der­lagen des deut­schen Volkes” (Kienast 2001). Als “will­fäh­rige Mit­täter” sind Sol­daten zugleich Opfer der Regie­rungs­po­litik (Heu­ken­kamp 1985).

Mit Angst, jenem vom Regime zutiefst ver­ach­teten Gefühl, und nicht mit Hel­dentum oder Vater­lands­liebe (Boh­nert 1982) werden die Hand­lungen der Piloten in Epi­gramm Nr. 15 begründet. Die meiste Angst vor ihnen müssen wie­derum Frauen und ihre Kinder haben, die schutz­lo­seste Gruppe der Gesellschaft.

Epi­gramm Nr. 30 stellt mit­hilfe des zuge­ord­neten Bildes sechs Ober­be­fehls­haber des Dritten Rei­ches als “Mörder” dem Volk gegen­über. Es wird klar­ge­stellt, dass die Ober­be­fehls­haber keine Helden sind, son­dern die­je­nigen, die auf Kosten von Men­schen­leben ihre Ziele erreicht haben. Hier wird der Hel­den­my­thos ent­larvt und gefor­dert, dass “wir”, “Autor und Leser” (Kienast 2001), Dik­ta­turen zukünftig nicht mehr zulassen dürfen.

Epi­gramm Nr. 45, ver­fasst zum Foto eines Grabes, an dem der Hand­schuh des Bestat­tungs­of­fi­ziers in den Himmel weist, kehrt zum ursprüng­li­chen Zweck des Epi­gramms (Didi-Huber­mann 2011) – der Grab­in­schrift –, zurück. Das Epi­gramm appel­liert an das all­ge­mein bekannte Ver­ständnis der Gerech­tig­keit, für derer Gewähr­leis­tung Gott ver­ant­wort­lich ist: Dem­entspre­chend hat Gott die Morde ame­ri­ka­ni­scher Sol­daten bestraft (Kienast 2001), den Ver­stor­benen wird aber die Bitte in den Mund gelegt, die Vor­ge­setzten zu bestrafen, die sie geschickt haben, um andere zu töten. Somit wird der ver­traute Glaube an Gottes Bestra­fung ent­hüllt, “um dahinter die öko­no­mi­schen Kräfte und Klas­sen­ant­ago­nismen zu erhellen” (Grimm 1969), sowie um die Not­wen­dig­keit der Über­nahme eigener Ver­ant­wor­tung über Gene­ra­ti­ons­grenzen hinweg her­vor­zu­heben. Das Epi­gramm zusammen mit dem Foto stellt jedoch den “Kom­plex eines ver­ein­fachten Schuld- und Süh­ne­den­kens” dar (Kienast 2001). Die Bestra­fung der Vor­ge­setzten kann zwar den Teu­fels­kreis der Tötungen auf eine neue Ebene heben, ihn zu bre­chen ist aber nur mög­lich, wenn die Vor­ge­setzten, die den Teu­fels­kreis auch aus­ge­löst haben, nicht mehr zu hohen Posten zuge­lassen werden. Der Tod und der Bruch des Ver­trauens auf Gottes Bestra­fung fun­giert in diesem Epi­gramm als “Auf­for­de­rung zur Revo­lu­tion” (Boh­nert 1982) und zur Eigenverantwortung.

Die auf dem Foto zum Epi­gramm Nr. 64 gezeigten Sol­daten sind nicht nur erschöpft vom Kämpfen, son­dern vom Leben (Kienast 2001), das oft durch “kämpfen” meta­pho­ri­siert wird. Sie – und diese vier Sol­daten stehen pars pro toto für die gesamte Wehr­macht (Boh­nert 1982) – haben den Kampf um das eigene Leben, eigene Ziele und eigenen Wohl­stand für das Kämpfen für die NS-Ideo­logie geop­fert – und sind zu Mit­teln in den Händen der Vor­ge­setzten geworden. Gleich­zeitig äußert es die Hoff­nung, dass die Welt im Kreis von Ent­stehen und Erlö­schen des Lebens etwas Neues und Bes­seres schafft, wenn das Alte unter­geht (Kienast 2001). Für das Neue, das Zukünf­tige, wird, wie auch andere Epi­gramme deut­lich machen, die Initia­tive und die Eigen­ver­ant­wor­tung der Nach­fahren benötigt.

Man kann die Epi­gramme Brechts auch als Eng­füh­rung zweier par­allel geführter Kriege inter­pre­tieren: des äußeren Kriegs gegen die Sowjet­union und die West­al­li­ierten und des inneren Kriegs gegen das deut­sche Volk (Knopf 2001). Einer­seits macht Brecht die Opfer­rolle der in den Krieg invol­vierten Bürger:innen des Aggres­sor­landes sichtbar, ande­rer­seits stellt er “den Krieg als kata­stro­phale Folge zu geringen Wider­stands in großen Teilen der Welt” (Heu­ken­kamp 1985) dar, was ein­ander wider­spricht und wei­tere Fragen auf­wirft. In vielen Epi­grammen lässt sich aber auch der Aufruf an die Nach­kriegs­ge­nera­tionen erkennen, ähn­li­chen poli­ti­schen Ent­wick­lungen vorzubeugen.

Oбнуление народа

Разрисует узорами мартовский снег

Юных воинов кровь, без вины виноватых.

Повелел их на мясо пустить “человек”.

Был великий народ – стал великий каратель.

Мы идём через ноль. Мы идём через смерть.

Тот, кто это вершит, душу дьяволу продал.

Этой глупой войне оправдания нет.

Обнуленье страны, обнуленье народа…

Мария Волощук

Annul­lie­rung des Volkes

Es wird der März­schnee mit Mus­tern bemalt

Vom Blut junger Kämpfer, schuldig ohne Schuld.

Ein “Mensch” hat befohlen, sie zur Schlach­tung zu schicken.

Es war ein großes Volk – es wurde zum großen Bestrafer.

Wir gehen durch null. Wir gehen durch den Tod.

Alle, die es begehen, haben die Seele dem Teufel ver­kauft.

Dieser blöde Krieg hat keine Recht­fer­ti­gung.

Annul­lie­rung des Landes, Annul­lie­rung des Volkes…

Mariya Vološčuk

Im Gedicht von Marija Vološčuk aus dem Online-Pro­jekt “No war – poety protiv vojny” wird ähn­lich wie bei Brecht betont, dass die Sol­daten sich schuldig machen, ohne eine eigene Ent­schei­dung getroffen zu haben. Zwi­schen Sol­daten und Regie­rung bzw. Vor­ge­setzten wird auch hier dif­fe­ren­ziert, mehr noch, die Macht­ha­benden und Vor­ge­setzten werden durch die Ver­wen­dung des Wortes “Mensch” in Anfüh­rungs­zei­chen ent­mensch­licht. Das Volk als Gemein­schaft, die durch das gemein­same Leiden unter dem Regime des eigenen Landes zusam­men­ge­halten wird und den­noch ein Mittel für ver­bre­che­ri­sche Kriege der Staats­ober­häupter sein kann, wird ent­wertet: Das Recht des Volkes, auf seine Kultur und Geschichte stolz zu sein, wird ihm seit Kriegs­be­ginn ver­wehrt. Zudem wird ange­deutet, dass Men­schen, die sich aktiv am Krieg betei­ligen, eine Wahl haben und diese, wenn sie mora­li­sche Grund­sätze dafür opfern, auch getroffen haben. Ähn­lich wie bei Brecht wird hier die Geburt einer neuen Gene­ra­tion beschrieben, deren Poten­tial es besser zu machen. Durch das mas­sen­hafte Sterben im Zuge des Krieges wird die Annu­lie­rung her­bei­ge­führt: Das rus­si­sche Volk muss von null anfangen, um sein Ansehen und seinen Platz in der Welt­ge­mein­schaft wiederzuerlangen.

Die rus­si­sche Lyrik kon­zen­triert sich ten­den­ziell auf Scham, Schuld, Unver­zeih­lich­keit und das Ver­flu­chen von Macht­ha­benden. Nur zwei der in dieser Arbeit behan­delten rus­sisch­spra­chigen Gedichte sehen Sol­daten – egal, an wel­cher Seite sie kämpfen, – als Opfer.

 

Rus­sisch­spra­chige Anti­kriegs­lyrik – eine wei­tere “Kriegs­fibel” mit einem bes­seren Lerneffekt?

 

Durch die Dis­kre­panz zwi­schen ästhe­ti­scher Dar­stel­lung der Kampf­hand­lungen und dem Grauen des Krieges in Bil­dern, zwi­schen Nähe und Distanz, sollten Leser:innen durch Brechts “Kriegs­fibel” dazu bewogen werden, sich mit dem Krieg aus­ein­an­der­zu­setzen und poli­ti­sche Ver­ant­wor­tung zu über­nehmen (Solte-Gresser 2011). Jedes Foto­epi­gramm stellt ein “Pro­duk­tions-Pro­to­koll” (Kienast 2001) dar, in dem das Bild und die geschicht­li­chen Ereig­nisse erst durch die Beschrei­bung und dar­auf­fol­gende Ana­lyse eine all­ge­mein gül­tige Aus­sage bekommen. Die Geschichte wird dadurch für Leser:innen als Erfah­rungs- und Deu­tungs­pro­zess und nicht als Reihe von Fakten zugäng­lich gemacht (Kienast 2001). Brecht macht deut­lich, dass die Ver­mei­dung von Kriegen ohne die – wider­stän­dige – Tätig­keit Ein­zelner unmög­lich ist (Heu­ken­kamp 1985). Die in der Arbeit behan­delte rus­sisch­spra­chige Kurz­lyrik hin­gegen stellt fest, dass die Anzahl dieser Ein­zelnen bis­lang nicht aus­ge­reicht, um eine ähn­liche poli­ti­sche Ent­wick­lung zu ver­meiden. Mit­hilfe einer mit den Brecht’schen Epi­grammen ver­gleich­baren Topik pro­phe­zeien die neuen rus­sisch­spra­chigen Gedichte eine his­to­ri­sche Schuld, die eine lange Auf­ar­bei­tung benö­tigen wird, und geben Emo­tionen und Gedanken Aus­druck, die nach Aus­wei­tung des Krieges aus­ge­spro­chen werden mussten. Zukünftig werden diese Gedichte, genau wie Brechts Epi­gramme, Zeug­nisse sein für eine Situa­tion, in der man – wieder einmal – das Lernen lernen und die Mit­ver­ant­wor­tung für die Zukunft der Gesell­schaft über­nehmen muss.

Anmer­kung zur deut­schen Über­tra­gung: Alle Über­set­zungen rus­si­scher Anti­kriegs­ge­dichte ins Deut­sche wurden von Nune Ara­zyan ange­fer­tigt. Ortho­gra­phie und Inter­punk­tion von Ori­gi­nal­ge­dichten wurden übernommen.

 

Pri­mär­li­te­ratur:

Bayer, Alexei: Ih car’ — ubljudočnaja mras’ [Ihr Zar ist ein bescheu­erter Drecks­kerl], URL: https://nowarpoetry.com/authors/alexei-bayer/ (letzter Zugriff: 03.09.2022).

Brecht, Ber­tolt: Kriegs­fibel. Hg. von Berlau, Ruth. Frank­furt am Main 1978.

Brick­spacer; Lado Kvataniya; Noize MC: Fake Video. Super­Rare, 24.06.2022, URL: https://superrare.com/0xb932a70a57673d89f4acffbe830e8ed7f75fb9e0/fake-video-35517 (letzter Zugriff: 04.09.2022).

Mar­ki­tan­tova, Olga: Brat bratu [Bruder zu Bruder]. In: Oblaka, URL: https://www.oblaka.ee/journal-new-clouds/ukraina-solidarnost/поэты-разных-стран-антивоенные-стихи/ (letzter Zugriff: 05.09.2022).

Pav­lova, Vera: Edinst­vennyj tvoj synok [Dein ein­ziger Sohn]. In: Rus­sian Oppo­si­tional Arts Review, 2. Aus­gabe, 24.06.2022, URL: https://roar-review.com/94d1da5396a24841a9df42e8d7e74da2 (letzter Zugriff: 06.09.2022).

Sta­visskij, Ivan: Svjato-sab­le­zu­baja sto­lica!! [Hei­lige Säbel­zahn­haupt­stadt!]. Face­book-Post, 01.07.2022, URL: https://www.facebook.com/stavisskij/posts/pfbid0q5aZvLvt7QWbjXz26XvRAT6ywV4ukZQfswfEr1waFHGxbtmaWeJzmLiU35NriPvHl (letzter Zugriff: 03.09.2022).

Vološčuk, Marija: Obnu­lenije naroda [Null­stel­lung des Volkes]. In: No War Poetry, URL: https://nowarpoetry.com/authors/mariya-voloschuk/ (letzter Zugriff: 07.09.2022).

 

Sekun­där­li­te­ratur:

Boh­nert, Chris­tiane: Brechts Lyrik im Kon­text. Zyklen des Exils. Königstein/Taunus 1982.

Brecht, Ber­tolt: Notizen zur Phi­lo­so­phie 1929–1941. In: Haupt­mann, Eli­sa­beth (Hg.): Ber­tolt Brecht. Gesam­melte Werke. Schriften zur Politik und Gesell­schaft. Bd. 20, Frank­furt am Main 1967.

Didi-Huber­mann, Georges: Wenn die Bilder Posi­tion beziehen. Mün­chen 2011.

Domarus, Max: Hitler. Reden und Pro­kla­ma­tionen 1932–1945. Kom­men­tiert von einem deut­schen Zeit­ge­nossen. Band I: Tri­umph. Zweiter Halb­band: 1935–1938. Mün­chen 1965.

Grimm, Rein­hold: Mar­xis­ti­sche Emble­matik. Zu Ber­tolt Brechts “Kriegs­fibel”. In: von Heyde­brand, Renate; Just, Klaus Günther (Hg.): Wis­sen­schaft als Dialog. Stu­dien zur Lite­ratur und Kunst seit der Jahr­hun­dert­wende. Stutt­gart 1969.

Heu­ken­kamp, Ursula: Den Krieg von unten ansehen. Über das Bild des zweiten Welt­krieges in Ber­tolt Brechts “Kriegs­fibel”. In: Wei­marer Bei­träge, Bd. 31. Berlin/Weimar 1985.

Kienast, Welf: Kriegs­fi­bel­mo­dell. Autor­schaft und “kol­lek­tiver Schöp­fungs­pro­zess” in Brechts “Kriegs­fibel”. Göt­tingen 2001.

Kitt­stein, Ulrich: Das Lyri­sche Werk Ber­tolt Brechts. Stutt­gart 2012.

Knopf, Jan: Brecht-Hand­buch. 2, Gedichte. Stutt­gart 2001.

Solte-Gresser, Chris­tiane: Text­bilder und Bild­texte im Ange­sicht des Unsag­baren. Auto­poe­ti­sche Dimen­sionen in Brechts Foto­epi­grammen, Spie­gel­mans “Comix” und Herta Mül­lers Gedicht­col­lagen. In: Hölte, Achim (Hg.): Com­pa­ra­tive Arts. Uni­ver­selle Ästhetik im Fokus der Ver­glei­chenden Lite­ra­tur­wis­sen­schaft, Hei­del­berg 2011.

Wöhrle, Dieter: Von der Not­wen­dig­keit einer “Kunst der Betrach­tung”: Ber­tolt Brechts “Kriegs­fibel” und die Gestal­tung von Text-Bild-Bezie­hungen. In: Hecht, Werner (Hg.): Alles was Brecht ist … : Fakten – Kom­men­tare – Mei­nungen – Bilder. Frank­furt am Main 1997.

 

Wei­ter­füh­rende Links:

Rus­sian Oppo­si­tional Arts Review. URL: https://roar-review.com/About-ROAR-a00d35f461bd4bd48f2d0d1502b0e93e (letzter Zugriff: 22.08.2023).

Reu­ters: “Aggres­sors Will Be Annihilated,We Will Go to Heaven as Mar­tyrs”, Putin Says. In: The Moscow Times, 19.10.2018, URL: https://www.themoscowtimes.com/2018/10/19/aggressors-will-be-annihilated-we-will-go-to-heaven-as-martyrs-putin-says-a63235 (letzter Zugriff: 17.09.2022).

Die tran­skri­bierte Rede von Putin über die Gründe der soge­nannten “Son­der­mi­li­tär­ope­ra­tion” siehe hier: o. A.: Путин объявил о начале военной операции в Донбассе. Вот расшифровка его речи. In: Paperpaper.ru, 24.02.2022, URL: https://paperpaper.ru/putin-obyavil-o-nachale-voennoj-operac/ (letzter Zugriff: 17.09.2022).