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Lieber in Russland reisen, als über Russland lesen

Posted on 29. April 2009 by Niovi Zampouka
Natalja Kljucharevas Roman "Rossija: Obscij vagon" ist fast ein Hör-Buch: Es verleiht dem gegenwärtigen Russland viele Stimmen, die gehört werden wollen. Auf einer literarischen Reise und Identitätssuche trifft der Leser einen Intellektuellen, einen Transvestiten, einen Nostalgiker, einen barmherzigen Ritter und viele andere, die ihre Vorstellung von Russland entwerfen.

Natalja Ključarёva: Rossija: obščij vagon

 

Obščij vagon (frei übersetzt: Großraumwagen, Waggon zweiter Klasse) verspricht keine bequeme Reise. Denn es ist ein Eisenbahnwagen ohne Platzgarantie. Für seinen vergleichsweise niedrigen Preis bevorzugt, ist er kein elitärer Wagen, sondern hauptsächlich einer der Masse, vielleicht sogar des ‚Pöbels‘. Man trifft dort die unterschiedlichsten Menschen aus allen nur denkbaren Ecken Russlands. Menschen jeden möglichen Alters, Bildung und Weltanschauung, die aber eines gemeinsam haben: Geschichten aus einem schwierigen Leben und die unbedingte Bereitschaft, diese mitzuteilen. Solche schmerzhaften Geschichten verlangen einen sensiblen Zuhörer, und im Roman Ključarёvas findet sich dieser in der Figur Nikita. Nikita reist durch das Land, lernt Leute kennen, bietet seine einfühlsamen Ohren den Lebensgeschichten seiner Mitreisenden an und versucht, ihr Russland zu begreifen.

Die junge russische Dichterin und Prosaschrifstellerin Natalja Ključarёva (geboren 1981 in Perm) zeichnet in ihrem ersten Buch Rossija: obščij vagon eine Psychographie ihrer Heimat durch die Lebenserfahrungen der – man könnte vielleicht sagen – ‛einfachen Leute’ des Alltags. Doch so einfach, wie es auf den ersten Blick scheint, sind diese gar nicht. Da ist das ‚Wunderkind‘ Vanja, das wie ein Erwachsener redet; da ist Junker, der, wie sein Name schon sagt, nostalgisch von einer ruhmvollen Vergangenheit träumt und der „in einer vor einem Jahrhundert gestorbenen Welt lebt“. Da ist der radikale Intellektuelle Roščin, der Trance-Musik liebt und Albert Camus gegen die schlechten Wirkungen des Kapitalismus empfiehlt, der Transvestit Griša, der Seelenfrieden bei einem Priester findet, und andere mehr oder weniger aus dem Rahmen fallende Gestalten. Sind das die durchschnittlichen, die einfachen Menschen Russlands? Stehen diese Figuren für den provokanten Titel des Buches ein? Sind sie etwa der „Großraumwagen Russland“?

Ja und nein. Die ungewöhnlichen und widersprüchlichen Merkmale der Figuren sind absichtlich hervorgehoben, zuweilen bis ins Absurde gesteigert. Diese Übertreibung scheint Lebensgeschichten aus fotographischen Momentaufnahmen zu konstruieren, mit dem Unterschied jedoch, dass die in ihnen Beteiligten absichtsvoll posieren. Dabei posiert auch die Schriftstellerin, indem sie die zu erzählenden Lebensabschnitte auswählt und dadurch ihre Figuren als die „Helden unserer Zeit“ inszeniert, die individuell und vergebens mit dem Staat kämpfen. Es wird ein Bild in dunklen Farben gemalt und so eine Stimmung beim Leser erzeugt, dass dieser nur erleichtert sein kann, wenn Nikita endlich gefragt wird: „Ich habe deine tragischen Geschichten satt. Erzähl doch wenigstens eine gute Geschichte über Russland. Oder gibt es solche etwa nicht?“.  Die Frage bleibt unbeantwortet, jedoch ist Ključarёva anzurechnen, dass sie eine klagende, jammervolle Sprache vermeidet und auf humorvolle Art und Weise erzählt.

Die Eisenbahn, die eine regelmäßig wiederkehrende Rolle im Leben der Figuren spielt, dient dem Weggehen und Zurückkommen, dient der Metapher des Lebens als Reise. Hierbei ist das Leben das, was an den Zwischenhaltestellen passiert. Genau diese aus Schmerz und Gram bestehenden Lebensstationen skizzieren eine russische Topographie des Trübsinns, dem der Zug als Zwischenraum der Hoffnung dient. Als Zwischenraum, da an der nächsten Station schon das Leiden von vorn beginnt.

Die Lebensstationen der anderen Reisenden entsprechen Nikitas eigener Reise auf der Suche nach seinem Russland und schließlich auch nach seiner eigenen Identität: „Ich verstehe sehr gut, dass du ein Idiot bist! Er sucht nach Russland! Dein Russland ist in dir - drinnen!“ sagt man ihm. „Nein. Es ist in den anderen. In ihren Geschichten“, antwortet er. „Nur du, glückseliger Idiot, kannst in diesen Wracks Menschen sehen“, sagt ihm sein Freund Junker. Nikita ist der barmherzige Samariter, der das Gute in den Menschen sieht und sich persönlich verantwortlich – wenn nicht sogar schuldig – für das Unglück dieser Welt fühlt.

Und dabei geschieht es, dass neben den fiktiven Figuren eine reale Figur im Text erscheint: die Vladimir Putins. Selbst wenn man kein Freund voreiliger Schlüsse ist, ist man geneigt, jenen Stimmen in der russischen Rezeption zuzustimmen, die an dem Text nach seinem ersten Erscheinen 2006 in der Literaturzeitschrift Novij mir  Kritik übten und den Text zur Anti-Putin-Literatur zählten. Alle Probleme finden ihren Schuldigen. Wegen der Aufhebung einiger Sonderrechte für sozial Benachteiligte (kostenlose Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel von bestimmten sozialen Gruppen), die in der Tat im Januar 2005 in Russland stattfand und auch im Buch thematisiert wird, entscheidet sich eine Gruppe betagter Leute, zu Fuß von Sankt-Petersburg nach Moskau zu gehen. Sie wollen sich mit Putin persönlich „aussprechen“. Nikita spricht vom „Kreuzzug der Betagten“. Und das Leid der Menschen, die Klage über die Gleichgültigkeit des Staates und dessen Abwesenheit, die angehäufte Wut, die überall im Buch wahrnehmbar ist und die sich Nikita so zu Herzen nimmt, machen schließlich den kränklichen sensiblen Idioten zum ebenso kränklichen revolutionären ‚Lenin‘. Es ist bemerkenswert, dass Nikita im Buch keine deutliche politische Haltung zugeschrieben wurde – im Gegensatz zu seinen Freunden. Nicht aus politischer Überzeugung greift er Putin während des „Kreuzzuges der Betagten“ an und stirbt dann im Gefängnis lächelnd, “als ob er ein Geheimnis wusste“. Aber aus  deutlicher politischer Überzeugung führt Natalja Ključarёva die Figur Putins im Roman ein, anstatt eine anonyme Präsidenten-Figur darzustellen, die die zu ziehenden Parallelen und den Vorwurf dem Leser überließe.

Nikitas Persönlichkeit bleibt von Anfang bis Ende verschlüsselt, indem der Leser weniger über ihn als über jeden anderen erfährt. Sein Angriff auf den Präsidenten führt zur Revolution. Der ruhige Zuhörer der fremden Geschichten wird zum Hauptakteur und schreibt selbst Geschichte.
Das Privileg eines Buches voller Wege ist, dass jeder seinen eigenen wählen kann. Beispielsweise den Weg Junkers: „Man muss 400 Luftballons kaufen und sie mit Helium füllen. Und daran irgendeinen besonders schädlichen Deputanten festbinden und ihn in den Himmel steigen lassen. Dann möge er fliegen. Möge er an sein Verhalten denken. Hauptsache, man beschuldigt ihn nicht. Alles völlig gefahrlos. Den Luftballons wird allmählich die Luft ausgehen, und der Deputant wird weich auf die heimatliche Erde herunter segeln, in die Umarmung der dankbaren Wähler “.

Die Billigung des Buches von Politiker-Künstlern wie Eduard Limonov, die Putin und seiner Politik negativ gegenüberstehen, mag verständlich sein, die Behauptung des Verlagsredakteurs, dass es der jungen Schriftstellerin gelungen sei, „Stimme des ganzen Landes“ zu werden, jedoch nicht unbedingt. Um das Ganze kennenzulernen, muss man in der Lage sein, alle Seiten, die es ausmachen, sehen zu können.

Ob g a n z Russland in obščij vagon einsteigt, ist dem Urteil des Lesers überlassen. Nikita wählt seine Fahrtroute. Es liegt am Leser, auch für sich eine zu finden. Die Reise in Natalja Ključarёvas obščij vagon mag nicht bequem sein, die Zwischenhaltestellen jedoch sind sehr entspannend. Außerdem hat der Leser immer den Vorzug, einzusteigen und auszusteigen. Da wo er will.

 

Natalja Ključarёvas Buch Rossija: obščij vagon wurde 2008 von dem Verlag Limbus Press in Auflage von 3000 Exemplaren herausgegeben und ist ins Deutsche nicht übersetzt.

Lieber in Russland reisen, als über Russland lesen - novinki
Redak­tion „novinki“

Hum­boldt-Uni­ver­sität zu Berlin
Sprach- und lite­ra­tur­wis­sen­schaft­liche Fakultät
Institut für Slawistik
Unter den Linden 6
10099 Berlin

Lieber in Russ­land reisen, als über Russ­land lesen

Natalja Ključarёva: Ros­sija: obščij vagon

 

Obščij vagon (frei über­setzt: Groß­raum­wagen, Waggon zweiter Klasse) ver­spricht keine bequeme Reise. Denn es ist ein Eisen­bahn­wagen ohne Platz­ga­rantie. Für seinen ver­gleichs­weise nied­rigen Preis bevor­zugt, ist er kein eli­tärer Wagen, son­dern haupt­säch­lich einer der Masse, viel­leicht sogar des ‚Pöbels‘. Man trifft dort die unter­schied­lichsten Men­schen aus allen nur denk­baren Ecken Russ­lands. Men­schen jeden mög­li­chen Alters, Bil­dung und Welt­an­schauung, die aber eines gemeinsam haben: Geschichten aus einem schwie­rigen Leben und die unbe­dingte Bereit­schaft, diese mit­zu­teilen. Solche schmerz­haften Geschichten ver­langen einen sen­si­blen Zuhörer, und im Roman Ključarёvas findet sich dieser in der Figur Nikita. Nikita reist durch das Land, lernt Leute kennen, bietet seine ein­fühl­samen Ohren den Lebens­ge­schichten seiner Mit­rei­senden an und ver­sucht, ihr Russ­land zu begreifen.

Die junge rus­si­sche Dich­terin und Pro­sa­schrif­stel­lerin Natalja Ključarёva (geboren 1981 in Perm) zeichnet in ihrem ersten Buch Ros­sija: obščij vagon eine Psy­cho­gra­phie ihrer Heimat durch die Lebens­er­fah­rungen der – man könnte viel­leicht sagen – ‛ein­fa­chen Leute’ des All­tags. Doch so ein­fach, wie es auf den ersten Blick scheint, sind diese gar nicht. Da ist das ‚Wun­der­kind‘ Vanja, das wie ein Erwach­sener redet; da ist Junker, der, wie sein Name schon sagt, nost­al­gisch von einer ruhm­vollen Ver­gan­gen­heit träumt und der „in einer vor einem Jahr­hun­dert gestor­benen Welt lebt“. Da ist der radi­kale Intel­lek­tu­elle Roščin, der Trance-Musik liebt und Albert Camus gegen die schlechten Wir­kungen des Kapi­ta­lismus emp­fiehlt, der Trans­vestit Griša, der See­len­frieden bei einem Priester findet, und andere mehr oder weniger aus dem Rahmen fal­lende Gestalten. Sind das die durch­schnitt­li­chen, die ein­fa­chen Men­schen Russ­lands? Stehen diese Figuren für den pro­vo­kanten Titel des Buches ein? Sind sie etwa der „Groß­raum­wagen Russland“?

Ja und nein. Die unge­wöhn­li­chen und wider­sprüch­li­chen Merk­male der Figuren sind absicht­lich her­vor­ge­hoben, zuweilen bis ins Absurde gestei­gert. Diese Über­trei­bung scheint Lebens­ge­schichten aus foto­gra­phi­schen Moment­auf­nahmen zu kon­stru­ieren, mit dem Unter­schied jedoch, dass die in ihnen Betei­ligten absichts­voll posieren. Dabei posiert auch die Schrift­stel­lerin, indem sie die zu erzäh­lenden Lebens­ab­schnitte aus­wählt und dadurch ihre Figuren als die „Helden unserer Zeit“ insze­niert, die indi­vi­duell und ver­ge­bens mit dem Staat kämpfen. Es wird ein Bild in dunklen Farben gemalt und so eine Stim­mung beim Leser erzeugt, dass dieser nur erleich­tert sein kann, wenn Nikita end­lich gefragt wird: „Ich habe deine tra­gi­schen Geschichten satt. Erzähl doch wenigs­tens eine gute Geschichte über Russ­land. Oder gibt es solche etwa nicht?“.  Die Frage bleibt unbe­ant­wortet, jedoch ist Ključarёva anzu­rechnen, dass sie eine kla­gende, jam­mer­volle Sprache ver­meidet und auf humor­volle Art und Weise erzählt.

Die Eisen­bahn, die eine regel­mäßig wie­der­keh­rende Rolle im Leben der Figuren spielt, dient dem Weg­gehen und Zurück­kommen, dient der Meta­pher des Lebens als Reise. Hierbei ist das Leben das, was an den Zwi­schen­hal­te­stellen pas­siert. Genau diese aus Schmerz und Gram bestehenden Lebens­sta­tionen skiz­zieren eine rus­si­sche Topo­gra­phie des Trüb­sinns, dem der Zug als Zwi­schen­raum der Hoff­nung dient. Als Zwi­schen­raum, da an der nächsten Sta­tion schon das Leiden von vorn beginnt.

Die Lebens­sta­tionen der anderen Rei­senden ent­spre­chen Nikitas eigener Reise auf der Suche nach seinem Russ­land und schließ­lich auch nach seiner eigenen Iden­tität: „Ich ver­stehe sehr gut, dass du ein Idiot bist! Er sucht nach Russ­land! Dein Russ­land ist in dir – drinnen!“ sagt man ihm. „Nein. Es ist in den anderen. In ihren Geschichten“, ant­wortet er. „Nur du, glück­se­liger Idiot, kannst in diesen Wracks Men­schen sehen“, sagt ihm sein Freund Junker. Nikita ist der barm­her­zige Sama­riter, der das Gute in den Men­schen sieht und sich per­sön­lich ver­ant­wort­lich – wenn nicht sogar schuldig – für das Unglück dieser Welt fühlt.

Und dabei geschieht es, dass neben den fik­tiven Figuren eine reale Figur im Text erscheint: die Vla­dimir Putins. Selbst wenn man kein Freund vor­ei­liger Schlüsse ist, ist man geneigt, jenen Stimmen in der rus­si­schen Rezep­tion zuzu­stimmen, die an dem Text nach seinem ersten Erscheinen 2006 in der Lite­ra­tur­zeit­schrift Novij mir  Kritik übten und den Text zur Anti-Putin-Lite­ratur zählten. Alle Pro­bleme finden ihren Schul­digen. Wegen der Auf­he­bung einiger Son­der­rechte für sozial Benach­tei­ligte (kos­ten­lose Nut­zung der öffent­li­chen Ver­kehrs­mittel von bestimmten sozialen Gruppen), die in der Tat im Januar 2005 in Russ­land statt­fand und auch im Buch the­ma­ti­siert wird, ent­scheidet sich eine Gruppe betagter Leute, zu Fuß von Sankt-Peters­burg nach Moskau zu gehen. Sie wollen sich mit Putin per­sön­lich „aus­spre­chen“. Nikita spricht vom „Kreuzzug der Betagten“. Und das Leid der Men­schen, die Klage über die Gleich­gül­tig­keit des Staates und dessen Abwe­sen­heit, die ange­häufte Wut, die überall im Buch wahr­nehmbar ist und die sich Nikita so zu Herzen nimmt, machen schließ­lich den kränk­li­chen sen­si­blen Idioten zum ebenso kränk­li­chen revo­lu­tio­nären ‚Lenin‘. Es ist bemer­kens­wert, dass Nikita im Buch keine deut­liche poli­ti­sche Hal­tung zuge­schrieben wurde – im Gegen­satz zu seinen Freunden. Nicht aus poli­ti­scher Über­zeu­gung greift er Putin wäh­rend des „Kreuz­zuges der Betagten“ an und stirbt dann im Gefängnis lächelnd, “als ob er ein Geheimnis wusste“. Aber aus  deut­li­cher poli­ti­scher Über­zeu­gung führt Natalja Ključarёva die Figur Putins im Roman ein, anstatt eine anonyme Prä­si­denten-Figur dar­zu­stellen, die die zu zie­henden Par­al­lelen und den Vor­wurf dem Leser überließe.

Nikitas Per­sön­lich­keit bleibt von Anfang bis Ende ver­schlüs­selt, indem der Leser weniger über ihn als über jeden anderen erfährt. Sein Angriff auf den Prä­si­denten führt zur Revo­lu­tion. Der ruhige Zuhörer der fremden Geschichten wird zum Haupt­ak­teur und schreibt selbst Geschichte.
Das Pri­vileg eines Buches voller Wege ist, dass jeder seinen eigenen wählen kann. Bei­spiels­weise den Weg Jun­kers: „Man muss 400 Luft­bal­lons kaufen und sie mit Helium füllen. Und daran irgend­einen beson­ders schäd­li­chen Depu­tanten fest­binden und ihn in den Himmel steigen lassen. Dann möge er fliegen. Möge er an sein Ver­halten denken. Haupt­sache, man beschul­digt ihn nicht. Alles völlig gefahrlos. Den Luft­bal­lons wird all­mäh­lich die Luft aus­gehen, und der Depu­tant wird weich auf die hei­mat­liche Erde her­unter segeln, in die Umar­mung der dank­baren Wähler “.

Die Bil­li­gung des Buches von Poli­tiker-Künst­lern wie Eduard Limonov, die Putin und seiner Politik negativ gegen­über­stehen, mag ver­ständ­lich sein, die Behaup­tung des Ver­lags­re­dak­teurs, dass es der jungen Schrift­stel­lerin gelungen sei, „Stimme des ganzen Landes“ zu werden, jedoch nicht unbe­dingt. Um das Ganze ken­nen­zu­lernen, muss man in der Lage sein, alle Seiten, die es aus­ma­chen, sehen zu können.

Ob g a n z Russ­land in obščij vagon ein­steigt, ist dem Urteil des Lesers über­lassen. Nikita wählt seine Fahrt­route. Es liegt am Leser, auch für sich eine zu finden. Die Reise in Natalja Ključarёvas obščij vagon mag nicht bequem sein, die Zwi­schen­hal­te­stellen jedoch sind sehr ent­span­nend. Außerdem hat der Leser immer den Vorzug, ein­zu­steigen und aus­zu­steigen. Da wo er will.

 

Natalja Ključarёvas Buch Ros­sija: obščij vagon wurde 2008 von dem Verlag Limbus Press in Auf­lage von 3000 Exem­plaren her­aus­ge­geben und ist ins Deut­sche nicht übersetzt.